Glücklich in Griechenland

„Dieser Moment ist so perfekt, dass ich ihn am liebsten einfrieren möchte!“

Vor einer Stunde ist die Sonne untergegangen, vor mir liegt eine sternenklare Vollmondnacht. Die Temperatur ist um 22.00 Uhr noch immer angenehm warm – Sommer in den griechischen Bergen!

Um mich herum herrscht lebhaftes Treiben.
Knapp 300 Menschen sind hier in Pádes zusammengekommen, um das Munti Smolikas Festival zu erleben: drei griechische Bands, die an drei Abenden traditionelle Musik spielen.

Die Band Gintiki spielt am dritten Abend

Normalerweise leben in Pádes während des Winters knapp 20 Personen. Umso ungewohnter ist der Anblick so vieler Leute, von ganz jungen bis hin zu alten. Die Stimmung ist gelöst und äußerst angenehm. Es wird gequatscht, getrunken, gegessen und gelacht!

Steve und ich sind seit mittlerweile 3,5 Monaten hier und jeder im Dorf kennt uns. Auch mit einigen Besuchern, die regelmäßig nach Pádes kommen, haben wir Freundschaften geschlossen. Heute komme ich aus dem Grüßen und Reden gar nicht mehr heraus, so viele bekannte Gesichter entdecke ich.

Doch nicht nur darüber freue ich mich, sondern vor allem über die warme Atmosphäre, die ich überall wahrnehme.

Die wohltuende Wirkung von Worten

„Meine Liebe“, „meine Puppe“ oder „meine Hübsche“ – so werde ich von einigen Freunden und Bekannten angesprochen.

Ist das anzüglich? Übergriffig? Fühle ich mich dadurch als Frau herabgesetzt? 

Nein, ganz und gar nicht. Ich empfinde es sogar als sehr schön, auf diese Weise miteinander zu sprechen und genieße es.
Die griechischen Männer und Frauen reden sich untereinander auf ähnliche Arten an, wieso sollte ich es also als anzüglich werten?

Ähnliches kenne ich aus Spanien, wo es vollkommen normal ist, mit hola guapa – hallo Hübsche begrüßt zu werden. Hintergedanken sind damit keine verbunden und das finde ich gut so.

Auch der Umgang mit Kindern ist hier in Griechenland ein anderer, als ich ihn aus Deutschland kenne. Sie werden auch mal von ihnen nicht nahestehenden Personen geknuddelt, gedrückt oder bekommen einen Kuss auf den Kopf. Sie werden ins Geschehen integriert und von allen liebevoll behandelt.

Eine Diskussion, welcher Weg der bessere ist, werde ich an dieser Stelle nicht führen. Ich gebe lediglich meine Wahrnehmung und mein persönliches Empfinden weiter.

Und da liegt Griechenland im sozialen Miteinander weit vorne!

Pades ist ein idyllischer Ort.

Tanzen bis zum Umfallen

Um 22.00 Uhr fängt die Band an zu spielen: Banda Entopica. Ob sie mir gefallen wird? Ich habe keine Ahnung. Doch es vergehen keine zwei Minuten, da reißt mich die Band bereits mit. Ehe ich mich versehe, stehe mit unzähligen anderen auf der Tanzfläche.

Die Musik, die gleichbleibenden Tanzschritte, die Begeisterung der Leute – all das versetzt mich nach und nach wie in Trance. Auch Steve entdecke ich in der Menge mit einem genauso glücklichen Gesichtsausdruck, wie ich ihn habe.

Der Kreis der Tanzenden verändert sich ständig. Mal ist ein guter Freund neben mir, auf einmal eine wildfremde Person. Jeder, der mitmachen möchte, ist willkommen – ob Einheimischer oder Besucher.

Dimitris vom Munti Smolikas ist zu einem Freund geworden.

Hatte ich vor dem Abend noch Bedenken, weil tanzen eigentlich nicht so mein Ding ist, gibt es jetzt kein Halten mehr. Es macht so viel Spaß, dass ich bis zum Schluss dabei bin und erst morgens um 6.00 Uhr erschöpft ins Bett falle.

Mir tun nicht nur die Füße weh, sondern auch meine Gesichtsmuskeln vor lauter Lächeln und Lachen – und das war erst Tag 1 des Festivals. Genauso geht es an den folgenden beiden Tagen weiter.

Mach, was du willst

Die ersten Frühaufsteher sind ab 9.00 Uhr auf den Beinen und stärken sich bei einem Frühstück. Bis mittags kriechen nach und nach alle anderen aus ihren Betten und Zelten.

Ach ja, Zelte … von denen findest du während des Festivals wirklich überall welche, auch an den ungewöhnlichsten Stellen: im Wald, neben Kapellen oder irgendwo zwischen Sträuchern.

Kein Mensch beschwert sich darüber.
Im Gegenteil: die Bewohner des Dorfes freuen sich über die Lebendigkeit und den Trubel.

Auch wir haben unseren Bus für die Zeit des Festivals umgeparkt, um ein wenig Ruhe zu haben. Unsere Wahl ist auf einen Schotterweg gefallen, der zu einer Kapelle führt. Dort stellen wir uns in eine Ausbuchtung, die Steve vorher noch frei gemäht hat.

Und was sagt unser 75 jähriger Freund Dimitri dazu, als wir ihm davon erzählen? Schließlich ist das keine offizielle Stellmöglichkeit.
Seine Reaktion: „Das ist eine gute Idee!“

Diese Toleranz und Gelassenheit beeindrucken mich immer wieder. 

Unser frisch gemähter Platz für eine Woche.

Die Festivaltage vergehen und jeder macht, was ihm oder ihr gefällt. Die einen gehen locker wandern, die nächsten fahren zum Voidomatis oder Aoos Fluss, um sich abzukühlen. Wieder andere sitzen einfach nur da und quatschen oder spielen.

Zwischendrin tummeln sich einige von den Besuchern mitgebrachte Hunde sowie die allseits bekannte Dorf-Streunerhündin Lisa, die hier ein gut behütetes Leben führt.

Abends kehren alle von ihren Ausflügen zurück, stärken sich bei einem Essen, trinken Wein oder Tsipouro. Und obwohl wirklich viel Alkohol fließt, ist die Stimmung niemals aggressiv oder angespannt – es ist einfach Party angesagt und jeder macht mit!

Mein Fazit: es war wunderbar

Dieses Festival war für mich eine unglaubliche Zeit. Eine Aneinanderreihung perfekter Momente mit ganz viel Gänsehaut und Emotionen – Griechenland pur!

Zwei Wochen sind seitdem vergangen und noch immer wirkt das Festival nach. Das war nicht bloß Musik oder Tanz – es war Lebensfreude in reinster Form.

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3 comments

  1. super be/geschrieben 🙂
    hab es sofort auf meine Seite teilen müssen (öffentlich)
    > ich bab „Blut geleckt“ – jetzt will ich nur noch fort……

    [oh, von was will ich leben? Also tanken, essen ect…]
    hat jemand eine Idee für mich?
    Onlinearbeit ist nicht mein Fall 🙁

  2. super be/geschrieben 🙂
    hab es sofort auf meine Seite teilen müssen (öffentlich)
    > ich hab „Blut geleckt“ – jetzt will ich nur noch fort……

    [oh, von was will ich leben? Also tanken, essen ect…]
    hat jemand eine Idee für mich?
    Onlinearbeit ist nicht mein Fall 🙁

    • Hallo Simon,
      es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, unterwegs Geld zu verdienen. Da muss jeder für sich schauen, wie viel er braucht, was er kann und wozu er Lust hat. Manche machen Saisonarbeit, andere bieten – oftmals unter der Hand – ihre Dienstleistungen an.
      Auf jeden Fall gibt es Alternativen zur Onlinearbeit und ich drücke dir die Daumen, dass du für dich einen passenden Weg findest.
      Liebe Grüße und besten Dank fürs Teilen 🙂
      Nima

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