5 Wanderrouten in Nordgriechenland

Schon zum zweiten Mal sind wir für mehrere Wochen am Stück im Epirus und wieder haut uns die Region komplett aus den Schuhen.
Auf der einen Seite findest du hier traumhafte Buchten, auf der anderen hohe Gebirge mit kleinen, ursprünglichen Dörfern.

Da die Berge auf mich eine große Faszination ausüben, ist es klar, dass wir hier wandern gehen. Und an Routen mangelt es im Epirus definitiv nicht. Allerdings ist es schwierig, im Internet gute Beschreibungen zu finden.

Das möchte ich ändern und stelle dir deshalb in diesem Artikel fünf unterschiedliche Wanderungen vor, von ganz leicht bis herausfordernd.

Weitere Highlights aus Griechenland findest du in diesem Beitrag: Das Beste aus 9 Monaten Griechenland.

Eine der vielen Aussichten rund um Kalarites
Eine der vielen Aussichten rund um Kalarites

Wandern im Epirus

Zum Kefalovrisi Wasserfall bei Prámanta

Unser Ausgangspunkt ist das Tzoumerka Refuge Prámanta, einer Unterkunft in den Bergen auf 1235 Metern Höhe.
Hierhin führt eine drei Kilometer lange Schotterstraße, bergauf.

Koordinaten: 39°30’31.0″N 21°07’28.7″E

Oben angekommen erwartet uns eine vollkommen Idylle. Der Blick auf den Berg ist grandios! Und das Tollste ist, dass das Campen erlaubt ist. Pro Person und Nacht zahlen wir gerade mal 2€ und bekommen dafür einen genialen Stellplatz.

Die Landschaft wirkt fast untypisch für Griechenland. So ging es mir damals auch in Kantabrien, wo mich die Picos de Europa eher an die Schweiz erinnert haben.

Der schönste Platz, den wir je hatten
Der schönste Platz, den wir je hatten

Nun aber zur Wanderung:
Von der Herberge aus führt ein leichter Trampelpfad ungefähr 10 Minuten durch den Wald. Dann ändert sich das Terrain und wird zu kleinem, teilweise größerem Geröll. Zuerst geht es noch ein klein wenig bergauf, dann führt der Weg entlang des Berges zu den beiden Wasserfällen. Wie hoch diese sind, lässt sich gut daran erkennen, wie winzig Luna dagegen aussieht.

Obwohl ich absolut ungern auf gerölligen Pfaden laufe, bin ich mit diesem ganz gut zurecht gekommen. Es war an keiner Stelle besonders steil oder ausgesetzt.

Was mir gut an dieser Wanderung gefallen hat:

  • Sie bietet tolle Aussichten – und natürlich die Wasserfälle
  • Sie ist nicht zu lang. Für den Hin- und Rückweg haben wir keine zwei Stunden gebraucht.

Alternativer Startpunkt:
Wenn du nicht ganz so viel Schotterpiste fahren möchtest, kannst du auch vom Melissourgoi Refuge aus loslaufen, das ganz in der Nähe liegt. Zwar muss man hier auch ein kleines Stück Schotterpiste fahren, aber diese ist deutlich kürzer. Die Wanderung ist von hier aus 3,8 km lang und dauert ca. 3 Stunden.

Hoch geht's zum Melissourgoi Refuge
Hoch geht’s zum Melissourgoi Refuge

Vom Tzoumerka Refugio auf den Strogula

Wenn es dich weiter in die Höhe zieht, dann lass dir diese Wanderung nicht entgehen. Der Start ist ebenfalls das Refugio. Von hier geht es 900 Höhenmeter hoch bis auf den Gipfel des Strogula.

Merle ist immer mit dabei

Zuerst habe ich mich mit Händen und Füßen geweigert, diese Wanderung zu machen, da ich große Angst vor steilen, gerölligen Wegen habe.
Im letzten Jahr habe ich aber an einem speziellen Höhenangst-Training teilgenommen und siehe da: dieses Mal bin ich den Weg tatsächlich gegangen.

Die Aussicht ist unglaublich. So viel unberührte Natur wohin das Auge reicht!

Um diese Wanderung zu machen, solltest du auf jeden Fall körperlich fit sein. Sie ist kein Sonntagsspaziergang.

  • Zu Beginn führt der Weg in leichten Serpentinen nach oben und lässt sich noch gut gehen.
  • Dann wird der Pfad deutlich schmaler und der Abhang wesentlich steiler.
  • Insgesamt beträgt die Strecke ungefähr acht Kilometer.

Eine genaue Beschreibung der Tour findest du hier bei Wikiloc.

Von Prámanta zum Refugio

Nach unserer Tour auf den Strogula war ich am nächsten Tag erstmal geschafft. Dann hat mich die Lauflust aber wieder gepackt, zumindest für eine kleine Runde.

Dazu ist diese hier ideal: von Prámanta zum Refugio (oder anders herum)

Dir den Weg zu beschreiben, ist im Grunde nicht notwendig. Es handelt sich um eine leichte Wanderung durch den kühlen Wald.

Mal läufst du über einen schmalen Pfad, mal über Steinstufen und mal über ein gepflastertes Stück Weg.
Hin- und zurück habe ich 2,5 Stunden gebraucht, bin aber auch flott gelaufen.

Der Einstieg ist zwischen zwei Häusern gegenüber eines kleinen Supermarkts.
Koordinaten Start in Prámanta: 39°31’19.7″N 21°06’16.9″E

Von Kalarites nach Sirako

Das sind sie also, die Dörfer aus der oben erwähnten Doku. Nach einer beeindruckenden Fahrt durch die Berge kommen wir in Kalarites an. Eigentlich kommen wir vor Kalarites an, denn ab da ist Schluss mit der asfaltierten Straße. Ab hier geht es nur noch zu Fuß oder mit einem Muli weiter – für uns also zu Fuß!

Wir gehen in Kalarites los
Wir gehen in Kalarites los

Die ersten Meter kommen wir nur schleichend voran. Das liegt daran, dass ich vor lauter Begeisterung alles fotografieren möchte, was mir vor die Linse kommt.

Ich weiß nicht, wie oft ich an diesem Tag rufe: „Wow, schau dir mal diesen Blütenteppich an!“ Ende April erstrahlt die Landschaft in allen möglichen Farben. Einen besseren Zeitpunkt hätten wir uns für diese Tour echt nicht aussuchen können.

Kalarites im Frühling

Von Kalarites aus führt die Wanderung in Richtung Schlucht. Zuerst ist es noch recht eben, teilweise gibt es ein Geländer. Dann wechselt der Pfad von einem einfach zu gehendem Weg in einen, für den ich etwas mehr Konzentration benötige.

Über alte Treppenstufen geht es steil hinunter, bis wir den Fluss erreichen. Während Steve unsere alte Hundeoma Luna davon abhält, sich in die Fluten zu stürzen, genieße ich dieses wildromantische Ambiente.

Ab jetzt geht es nochmal ungefähr 15 bis 20 Minuten bergauf, mal auf normalem Waldboden, mal auf einem Steinpfad. Dann sind wir da, in Sirako, und machen uns auf die Suche nach der Taverne, in der Eurydike aus der Doku ihre leckere Kräuterpita serviert.

Keine fünf Minuten später haben wir sie direkt neben der Kirche entdeckt. Ein kühles Bier, dazu köstliche Pita – wir sind glücklich.

Mit vollgestopften Bäuchen treten wir den Rückweg an. Dabei werden wir einmal kurz ausgebremst, als ich ein merkwürdiges Geräusch höre. Eine Hornviper beschwert sich darüber, dass wir ihr versehentlich in die Quere gekommen sind. Ein schnelles Foto und dann mache ich mich schleunigst vom Acker …

Nach knapp drei Stunden reiner Wanderzeit kommen wir wieder in Kalarites an und streifen noch einmal durch das hübsche Dorf. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein und so wundert es mich auch nicht, dass ein altes Ehepaar seinen Müll mit einem Muli zu den Tonnen transporiert.

Fakten zur Wanderung:

  • Sie ist als leicht eingestuft, ist aber an manchen Stellen recht steil. Da ich nicht besonders trittsicher bin, war ich froh, dass an einigen Stellen ein Geländer vorhanden war.
  • Hin- und Rückweg dauern ca. 3 Stunden
  • Ausgangspunkte können sowohl Sirako als auch Kalarites sein.
    Um mit dem Auto vom einen in den anderen Ort zu gelangen, braucht man genauso lange, wie zu Fuß.
  • Höhenprofil: 1105 m – 980 m – 1130 m

Koordinaten Kalarites: 39°34’59.7″N 21°07’33.6″E

Wegbeschreibung bei Wikiloc

Haus in Kalarites

Von Kalarites zum Kloster Viliza

Kurz vor Kalarites beginnt direkt neben der Straße die Wanderung nach Matsouki, einem kleinen Ort. Da der Hin- und Rückweg allerdings insgesamt 8 Stunden dauern würde, entscheiden wir uns, bloß die Hälfte zu laufen. Dort befindet sich das Kloster Viliza.

Horst bei Kalarites

Der Einstieg bringt mich schon nach den ersten Metern ins Schwitzen. Es geht nämlich auf leicht gerölligem Waldboden steil bergab. Genau das, was ich liebe – nicht!

Während Steve munter mit den Hunden vorläuft, krieche ich hinterher. Der Pfad führt runter in Richtung des Flusses, biegt aber knapp über ihm ab.

Wanderung Kloster VilizaWeiter geht es zwischen Laubbäumen am Hang entlang, bis wir den Fluss auf einer Brücke überqueren. Ich gönne mir eine kurze Verschnaufpause, denn die schmalen Stellen am Hang sind überhaupt nichts für mich.

Wasserfall bei KalaritesNun laufen wir wieder etwas bergauf, immer geschützt durch die dichten Bäume. Nach ungefähr zwei Stunden kommen wir auf einer Lichtung an, die förmlich nach einer Pause schreit. Das Kloster ist zwar schon in Sicht, aber ich bin platt.

Da wir den Weg ja auch noch zurückgehen müssen, entschließen wir uns, auf den Besuch des Klosters zu verzichten und stattdessen in einem nimafreundlichen Tempo den Rückweg anzutreten.

Wanderung durch LaubbäumeNicht nur Luna, sondern auch wir wären froh, kurz mal in den Fluss springen zu können, aber dazu gibt es bei dieser Wanderung leider keine Gelegenheit. Dafür ist sie angenehm schattig, das ist bei der warmen Frühlingssonne auch viel wert.

Kloster Hinweisschild

Fakten zur Wanderung (die Angaben beziehen sich auf den Weg bis nach Matsouki):

  • Länge: 4,9 km
  • Höhenprofil: 925 m – 750 m – 1000 m
  • Dauer: 4 Stunden

Bei Kalarites: Abstecher zur Kouiassa Steinbrücke

Das hier ist weniger eine Wanderung, als ein schöner Spaziergang. Es wäre aber zu schade, ihn deswegen nicht zu erwähnen.

Wenige Kilometer vor Kalarites – direkt hinter dieser Brücke – ist der Einstieg. Dieser ist mit einem Hinweisschild gekennzeichnet.

Nach wenigen Minuten kommst du zu einem Haus, das zu einem Café umfunktioniert wurde. Hinter dem Haus führt der Weg weiter und wird dort zu einem schmalen Pfad.

Du läufst noch einmal knapp 5 Minuten, bis du den kleinen Wasserfall erreichst. Ein Ort zum Abschalten und zur Ruhe zu kommen!

In den Sommermonaten ist dieser Platz gut besucht.
Wir waren morgens gegen 10.00 Uhr dort und hatten ihn noch fast für uns alleine. An heißen Tagen kannst du dich hier wunderbar abkühlen und erfrischen.

Mein Fazit zum Wandern in Griechenland

In der Epirus-Region kannst du locker mehrere Wochen verbringen, ohne, dass dir langweilig wird. Die Möglichkeiten zum Wandern, Canyoning, Rafting oder Biken sind enorm.

Allerdings bin ich mit den Einstufungen der Wanderungen nicht ganz zurecht gekommen. Was als leicht gekennzeichnet war, habe ich bereits als ziemlich schwer empfunden. Solltest du nicht sicher sein, dann frage am besten jemanden, der sich dort auskennt, zum Beispiel Kostas Nikolau.

Übersichtskarten mit Wanderwegen bekommst du vor Ort in den Touristeninformationszentren.
Wenn du dich lieber vorher mit Karten- oder Infomaterial ausstatten möchtest, dann ist vielleicht das hier was für dich:

Du hast noch Fragen oder Anmerkungen zum Wandern in Griechenland?
Dann rein damit in die Kommentare!

 

*werblicher Link

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8 comments

  1. Hallo Nima,
    schöne Wanderungen mit tollen Bildern, die Du da gemacht hast. Auch wir wandern immer mal wieder und gerne in Griechenland. Wenn man das erzählt stößt man oft auf Unverständnis. Die wenigsten Urlauber können sich vorstellen, dass es in GR noch mehr gibt als Strände, Meer und ein paar Tempel. Der Epirus ist schön. Wir haben dort vor ein paar Jahren eine Wanderung zum Drachensee (dragolimni) gemacht -einfach traumhaft. Auch auf dem Peloponnes gibt es tolle Regionen zum Wandern zu entdecken. Wer hoch hinaus will sollte sich mal die Wandertour auf den höchsten Berg des Peloponnes, den Pofitis Ilias 2404m) ansehen. Auf unserer Seite http://www.m-mehle.de gibt es einen Bericht davon. Außerdem geht ein großes Stück des Fernwanderweges E4 gut beschildert durch den Peloponnes (www.e4-peloponnes.info). Viel Spaß noch in GR. Wir kommen in vier Wochen wieder dorthin -freu
    Gruß
    Marten

    • Hey Martin,
      das freut mich, dass dir der Bericht gefällt 🙂 Griechenland ist wirklich unglaublich vielseitig. Von dem Drachensee haben wir schon mehrmals gehört. Mal sehen, ob wir das noch machen. Es gibt einfach zu viel zu entdecken 😉
      Lieben Dank für den Link zu deiner Seite, da schaue ich doch direkt mal vorbei!
      Liebe Grüße aus Glyki
      Nima

  2. Frank Lutgen

    Hallo Nima,

    tolle Berichte und Bilder von den Wanderrouten!
    Deine erste Route werden wir auch unternehmen, sobald wir uns vom Pilion trennen können.
    Danke für Deine Anregungen und Tipps.
    Ohne diese würden wir sicherlich einiges verpassen!

    Alles Liebe und Gesundheit wünschen wir Euch allen

    Frank & Elke

    • Kalimera zusammen,
      wie schön, dass euch die Anregungen gefallen 🙂 Ich bin gespannt, was ihr zu dieser Region sagen werdet!
      Liebe Grüße aus der Nähe von Ioannina
      Nima

  3. Hi Nima,

    ich war auch erst vor kurzem im Epirus wandernd unterwegs. Es ist soooo schön dort. Ich wünsch Euch eine gute Zeit in Glyki. Viel Spass am Acheron. Seid Ihr dort schon gewandert? Es gibt schöne Wege dort. Der Einstieg ist von Glyki aus Richtung Acheron Springs, flussaufwärts rechtsseitig. Viele liebe Grüsse aus Korfu

    Conny

    • Hey Conny,

      in Glyki waren wir von Donnerstag bis Samstag und sind mit den Hunden durch den Fluss gestapft. Wie das Ganze ausgesehen hat, kannst du dir in diesem kurzen Video anschauen 😉
      https://youtu.be/5cVGCZcobnY

      Hier ist wirklich eine Ecke schöner als die andere und wir sind froh, so viel Zeit für diese Region zu haben.
      Sonnige Grüße nach Korfu
      Nima

  4. Hildegard Hieronymi-Gorgus

    Hi Nima, schöne Wanderberichte, werde den einen oder anderen im nächsten Jahr bestimmt laufen. Komme gerade aus Parga zurück und bin den wunderschönen Weg von Lichnos nach Parga gelaufen, durch Olivenhaine, über Berge und immer wieder phantastischen Aussichren aufs Meer. Ich kann deine Abneigung gegen geröllige Bergstrecken verstehen: bin 20 m vor Erreichen der asphaltierten Straße ausgerutscht, umgeknickt und Fuß gebrochen. 😠. Jetzt ist erst mal nichts mit Laufen. Wer will, kann die Tour mit Zeiten und Höhenangaben bei Komoot nachlesen. Bin die Tour in den letzten beiden Wochen 2 x gelaufen. Das 2.x mit 8-jährigem Kind ( und natürlich meiner Bouboulina)

    • Achje, das ist ja blöd 🙁 Dann drücke ich mal die Daumen, dass alles gut verheilt! Die von dir beschrieben Route hört sich toll an und ich schaue sie mir direkt mal an.
      Liebe Grüße aus den Bergen 🙂
      Nima

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