Ein gebrochener Arm und seine Folgen

Ein gebrochener Arm und seine Folgen

Dumm gelaufen.

Das trifft es ziemlich genau, was mir am 18. Oktober passiert ist.

Steve und ich machen mit den Hunden einen Spaziergang um einen kleinen See. Es ist ein kleiner, ausgeschilderter Rundweg über Stock und Stein, aber nichts Wildes. Auf einmal bleibe ich mit meinem Fuß zwischen zwei Felsbrocken hängen und falle mit ausgestreckten Armen auf eine Wurzel. Damit verbunden ist ein lautes knackendes Geräusch und ich sage sofort zu Steve “der Arm ist gebrochen”.

Er antwortet “nein, beruhige dich erstmal, das glaube ich nicht”. Doch schon eine Sekunde später nimmt er das zurück. Dass der Arm gebrochen ist, ist offensichtlich. Jetzt heißt es, irgendwie zurück zum Bus zu kommen und schnellstmöglich in ein Krankenhaus zu fahren. Mein Kreislauf ist allerdings im Keller und die Schmerzen sind höllisch.

Als wir den Fahrweg erreichen, setze ich mich deshalb einfach hin und warte, dass mich Steve mit dem Bus einsammelt. Wir fahren ungefähr 30 Minuten bis ins  nächste Krankenhaus und gehen dort in die Notaufnahme.

Wenn Zähne zusammenbeißen nicht ausreicht

Dem jungen Arzt ist auf den ersten Blick klar, um was für einen Bruch es sich handelt. Er macht eine Röntgenaufnahme, die dies bestätigt. In Griechenland ist es jedoch üblich, einen solchen Bruch ohne Schmerzmittel einzurenken. Ich bin kurz davor, dem Arzt an die Gurgel zu springen. Nachdem er die Knochen eingerenkt und einen Gips angelegt hat, macht er noch einmal eine Röntgenaufnahme, dann kann ich gehen.

Ein gebrochener Arm und seine Folgen

Zum Glück denkt Steve daran, die Röntgenbilder mitzunehmen. Als wär sie uns später anschauen, sehen die gebrochenen Knochen nicht hundertprozentig so aus, wie wir es erwarten würden. Mein Gefühl sagt mir, das ist gut wäre, eine weitere Meinung einzuholen. Nach einigem Herumfragen bekomme ich von drei Orthopäden aus Deutschland die Rückmeldung, dass dieser Bruch unbedingt operiert werden sollte. Würde ich ihn so verheilen lassen, wären Probleme vorprogrammiert.

Ich bin erst einmal völlig durch den Wind, natürlich auch durch die starken Schmerzen.

  • Wer macht so eine Operation?
  • Wie schnell muss ich sie machen lassen?
  • Übernimmt die Versicherung die Kosten?

1000 Fragen, um die wir uns zeitnah in den nächsten Tagen kümmern müssen. Wir sind auf dem Weg nach Kreta und haben fünf Tage später die Fähre gebucht. Meine Recherchen ergeben, dass es auf Kreta eine Privatklinik gibt, deren orthopädische Abteilung von einem deutschen Facharzt geleitet wird. Wir setzen uns mit ihm in Verbindung und tatsächlich können wir die Operation am Tag unserer Ankunft organisieren.

Von der Fähre auf den OP Tisch

Nachts um 0:30 Uhr kommt die Fähre an, morgens um sechs muss ich in der Klinik auf der Matte stehen. Mittags lege ich schon auf dem OP-Tisch. Die Operation verläuft gut, die Titanplatte sitzt und ich kann am folgenden Tag schon entlassen werden, mit ausreichend Schmerzmitteln im Gepäck.

Doch dann ergibt sich leider ein Problem im Heilungsverlauf. Ist tauchen Schmerzen auf, die übermäßig groß sind und sich nicht durch den Eingriff oder die Verletzung erklären lassen. Ich muss weiterhin hochdosiert Schmerzmittel nehmen, die mir jedoch auf den Magen schlagen. Mein Nervensystem dreht am Rad, ich kann nachts nicht schlafen und tagsüber durch den Gips und die Schmerzen nichts machen. Wo andere nach der gleichen Operation wenige Tage später schon die Finger bewegen können, tut sich bei mir nichts.

Morbus Sudeck statt Palmen und Strand

Es dauert ganze vier Wochen, bis ich überhaupt daran denken kann, mit Physiotherapie zu beginnen. Der behandelnde Arzt vermutet, dass ich ein sogenanntes komplexes regionales Schmerzsyndrom entwickelt habe – auch bekannt als Morbus Sudeck.

Seit der Operation sind jetzt sieben Wochen vergangen und ich habe noch immer Schmerzen. Mein Handgelenk ist größtenteils steif und die Sehnen sind verklebt. Zweimal in der Woche gehe ich zur Physiotherapie und bin dankbar dafür, eine hervorragende Therapeutin in Rethymno gefunden zu haben.

Ein gebrochener Arm und seine Folgen

Dadurch können Steve und ich natürlich Kreta nicht erkunden, wie wir es sonst immer getan haben. Aktuell sind wir räumlich an Rethymno nur gebunden und machen nur gelegentlich einen Ausflug zum Strand.

Wann mein Arm wieder auf den Beinen ist, kann mir keiner vorhersagen. Ich bekomme durch Steve, den Arzt, die Physiotherapeutin, meine Freunde, meine Mutter, aber auch durch Kontakte in den sozialen Medien sehr viel Unterstützung. Das gibt mir Halt und Zuversicht, um durch diese Zeit zu kommen.

Hier auf dem Blog ist es dadurch ein wenig ruhiger, da mir die rechte Hand zum Schreiben fehlt. Jetzt steht erst einmal an erster Stelle, wieder gesund zu werden. Alles andere kann und muss warten.

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One comment

  1. Hallo, und mein aufrichtiges Mitgefühl !
    Meinem Vater ist sowas in Venedig passiert. Wir schlendern da rum, er stolpert über eine Stufe und bricht sich den Arm. Zwei Carabinieri haben das beobachtet und das Notarztboot gerufen. Im Krankenhaus wurde er notdürftig behandelt, und nach zwei Tagen sind wir auf Empfehlung eines deutschsprachigen Arztes nach Hause geflogen, den Arm am Körper fixiert und mit Schmerzmitteln voll gepumpt. Hier in D ist er dann sofort ins Krankenhaus gekommen und operiert worden. Die folgenden Reha -Maßnahmen hat er nicht sonderlich ernst genommen, aber so gut wie vorher konnte er den Arm nicht mehr gebrauchen. Er war immerhin schon 78.
    Grüße und Glück auf !!
    Heinz

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