Der große Hype um das richtige Mindset

Und wieder hat ein Begriff den Weg auf meine Bullshit-Bingo Liste gefunden: Mindset!
Kaum ein anderes Wort wird in den letzten Monaten so abgenudelt wie dieses hier. O.k., Vanlife zählt auch dazu, aber das ist ein anderes Thema.

Egal worum es geht, das richtige Mindset ist der Schlüssel zum Erfolg! Hast du es nicht, bist du der Depp.
Geschmückt mit diesem Schlagwort schießen in der letzten Zeit zahlreiche Angebote wie Pilze aus dem Internetboden.

Aber was ist das überhaupt, dieses Mindset? Und gibt’s dafür nicht auch ein deutsches Wort?

Mindset – altes Wissen neu verpackt

Die Übersetzung für Mindset ist so unspektakulär, dass ich mich schon fast dafür entschuldigen möchte. Mindset bedeutet nichts anderes als Denkweise oder Einstellung. Diesen beiden Begriffe klingen nicht besonders hip. Dafür sagen sie aber direkt aus, worum es geht.

Überall lese ich, dass ich zuerst an meiner Einstellung arbeiten muss, sonst werde ich weder erfolgreich noch glücklich noch sonst was. Ist das wirklich so?
Ein wenig erinnert mich das ans positive Denken. Ich muss mich nur richtig anstrengen und meine Gedanken positiv ausrichten, dann lösen sich alle Probleme in Luft auf.

Dumm nur, wenn es mit den richtigen Denken einfach nicht klappen will. 

Ob du als Selbstständige zu wenig Geld verdienst oder du nicht den richtigen Partner findest: es liegt an deiner Einstellung.
Ich sehe diese Aussage kritisch und sage dir auch, warum.

Sie unterstellt dir, dass du etwas falsch gemacht hast. Du bist selber Schuld an deinem Misserfolg. Hättest du richtig gedacht, hättest du jetzt dein gewünschtes Ergebnis. Und nun hast du allen Grund, dich gleich doppelt schlecht zu fühlen.

Denken alleine hilft nicht

Ich erzähle dir bestimmt nichts Neues, wenn ich dir sage, dass deine Taten das Ergebnis deiner Gedanken sind. Somit ist diese Mindset-Geschichte bis zu einem gewissen Punkt korrekt.

Ein Beispiel:
Du möchtest einen Bach überqueren. Dazu ist es notwendig, dass du einen großen Hüpfer machst, um trockenen Fußes ans andere Ufer zu gelangen.

  • Möglichkeit 1: Du zweifelst daran, den Sprung zu schaffen.
    Zwar willst du es, aber du glaubst nicht, dass du es hinbekommst. Beim Abspringen gerätst du vermutlich ins Zögern oder gibst gar nicht erst Vollgas. Das Ende vom Lied sind nasse Füße. Deine Erwartungshaltung hat sich bestätigt.
  • Möglichkeit 2: Du glaubst fest daran, es schaffen zu können.
    Du bist zwar nicht besonders geübt in solchen Sprüngen, aber bereit, alles zu geben. Du rennst hoch motiviert los, springst voller Elan ab und …

    • erreichst das Ufer
    • erreichst das Ufer nicht.

Obwohl bei der zweiten Variante das richtige Mindset vorhanden war, kann es dir trotzdem passieren, dass du im Wasser landest.

  • Vielleicht war die Distanz einfach zu groß oder dein Sprung nicht gut genug.
  • Vielleicht bist du auch ausgerutscht. All das kann passieren.

Mit der Einstellung „Ich schaffe das“ lässt du dich jedoch nicht aus der Fassung bringen.
Statt frustriert den Kopf in den Bach zu stecken, siehst du es als Lernerfahrung. Jetzt weißt du, in welchen Bereichen du dich verbessern kannst, um dein Ziel zu erreichen.

Zweimal die gleiche Aufgaben, zweimal unterschiedliche Herangehensweisen.
Unsere innere Einstellung trägt also durchaus dazu bei, wie wir uns verhalten.

  • sind wir zögerlich oder motiviert?
  • sehen wir Fehler als Bestätigung unseres Nicht-Könnens oder als hilfreiche Lernerfahrung, durch die wir uns weiterentwickeln können?

Dieses Beispiel kannst du auf alle möglichen anderen Lebensbereiche übertragen. Wenn du von vornherein denkst, dass etwas nicht klappen wird, dann wird sich das bestätigen.

Die Grenzen des Mindsets

Du kannst einen breiten Bach nicht alleine dadurch überqueren, indem du die richtige Einstellung mitbringst. Sie ist zwar eine wichtige Voraussetzung, aber du brauchst auch die Fähigkeiten, um es zu schaffen.

Die richtige Einstellung zu haben, bedeutet demnach auch, das große Gesamtziel in viele kleine zu unterteilen. Eine positive Denkweise hilft dir dabei, trotz Misserfolgen oder Fehlern dranzubleiben und neue Möglichkeiten auszuprobieren. Du gibst nicht sofort auf, wenn es nicht klappt, sondern übst einfach weiter.

So sammelst du Erfolgserlebnisse, bewegst dich auf dein Ziel zu und erreichst es irgendwann auch. Die kleinen Aufs und Abs werfen dich nicht aus der Bahn. Du stehst auf, klopfst dir den Dreck ab und machst weiter!

Mut und Selbstvertrauen brauchten Taten

Lassen wir den Bach mal kurz beiseite und schauen uns ein anderes Beispiel an. Nehmen wir an, du willst dich selbstständig machen und weißt nicht, welchen Preis du für deine Dienstleistung nehmen sollst.

Von allen Seiten bekommst du den Rat, dich nicht unter Wert zu verkaufen, aber wie sieht der Preis für deinen Wert denn nun genau aus?

Mut wächst durch Taten

Weil die anderen so vehement dazu raten, setzt du deinen Stundensatz bei 100 Euro an. Langfristig gesehen, wäre das ein Preis, den du gerne erzielen würdest. Im Augenblick fühlst du dich damit aber noch total unwohl. Er erscheint dir viel zu hoch und es fällt dir schwer, ihn selbstbewusst zu äußern.

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Na, fehlt dir das richtige Unternehmer-Mindset? 

Nein, dir fehlt es (noch) an Selbstvertrauen und an Erfahrung. Anstatt direkt mit einem Stundensatz zu starten, der dir selber Bauchschmerzen verursacht, könntest du es einfach langsam angehen. Du kannst dir kleinere Ziele setzen und erst einmal Erfolgserlebnisse sammeln.

  • Du beginnst mit 50 Euro Stundensatz und findest in den nächsten Zeit genau heraus, welche Probleme deine Kunden haben.
  • Je mehr du über die konkreten Probleme deiner Kunden weißt, umso besser kannst du ihnen helfen, sie zu lösen.
  • Je mehr Kunden du betreut hast, umso größer wird deine Erfahrung. Damit wächst auch dein Selbstvertrauen.
  • Nun ist der Punkt gekommen, an dem du dein Angebot und deine Preise anpassen kannst und zwar in Schritten, mit denen du dich wohlfühlst.

Diese Zahlen sind nur ausgedacht und dienen nur als Beispiel. Es geht um den Gedanken, der dahinter steht. Je mehr Erfahrungen und Erfolgserlebnisse du sammelst, umso mehr wächst dein Selbstvertrauen. Darauf kannst du Schritt für Schritt aufbauen.

Der Wert drückt sich außerdem nicht bloß in Geld aus. Die gesammelten Erfahrungen und das Feedback der Kunden liefern dir ebenfalls einen Wert, der dich in deiner Entwicklung nach vorne bringt.

Deine Einstellung entwickelt sich in diesem Prozess mit. Das bedeutet aber auch, dass du immer wieder genau hinschaust und dich reflektierst, um hinderliche Denkmuster zu erkennen.

Das richtige Mindset – Wundermittel oder nur viel Wind um nichts?

Ja, die richtige Einstellung ist eine wichtige Voraussetzung, um Ziele zu erzielen.
Richtig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass dir auch bewusst ist, dass Fehler passieren können. Je nach Ziel werden die Dinge nicht einfach rund laufen. Davon lässt du dich aber nicht aufhalten, sondern machst weiter und suchst nach neuen Wegen.

Ohne konkretes Handeln bringt dir jedoch die beste Einstellung nichts. Sie beinhaltet somit, dass du etwas machst und nicht nur davon redest.

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4 comments

  1. Ein Schuhfabrikant, schickt zwei seiner Mitarbeiter nach Afrika. Sie sollen erkunden, ob es sich lohnt dort eine Fabrik zu eröffnen.
    Der eine kommt zurück und sagt: „Nein, vergiss es, die laufen alle barfuß!“
    Der zweite kommt zurück und sagt: “ Ja, eine Riesenchance, die laufen alle barfuß!“
    🙂

  2. Ich weiß nicht, wie es passiert ist, aber ich bin gerade auf deiner Seite gelandet bei diesem Artikel. Und ich muss sagen: Echt toll beschrieben! endlich mal jemand, der dieses Mindset nicht als DAS unschlagbare Allheilmittel hinstellt, sondern als das, was es ist…

    • Hey Isabelle,
      vielen Dank für deine positive Rückmeldung 🙂
      Auf deiner Seite schaue ich auch gerne vorbei.
      Liebe Grüße

      Nima

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