Willkommen in Griechenland

Willkommen in Griechenland

„Griechenland ist anders als Spanien“

Mit dieser schlichten Erkenntnis hat es Steve neulich auf den Punkt gebracht. Griechenland ist anders und das ist gut so. Wir wollten nämlich neue Erfahrungen sammeln und davon gibt es hier reichlich.

Seit drei Monaten sind wir nun auf dem Peloponnes. Unsere anfänglichen Startschwierigkeiten haben es mir schwer gemacht, mich richtig auf das Land einzulassen.

Und obwohl Steves Hexenschuss für ihn wirklich ätzend war, hatte der Vorfall doch auch seine gute Seiten. So sind wir nämlich zum ersten Mal richtig mit dem echten Griechenland in Kontakt gekommen. Nicht in einer hübsch aufgemachten Arztpraxis für Touristen, sondern in einem ganz normalen Krankenhaus.

Bis dahin sind wir mit Horst durch die Gegend gefahren, von einem Traumstrand zum nächsten. Wir waren in wunderschönen Gebieten klettern und haben einen ersten Eindruck von der vielseitigen Landschaft bekommen.

Natürlich haben wir auch kurze Gespräche mit Griechen geführt, aber irgendwie konnte ich noch kein Gespür für sie entwickeln.
Ein tolles Buch zu den Vorzügen, aber auch über die Schattenseiten Griechenlands ist übrigens das hier: Griechenland: Ein Länderporträt

Leonidio – das Dorf der freundlichen Menschen

Das hat sich geändert, seit wir in dem kleinen Ort Leonidio an der Ostküste sind.

Hier stehen wir seit über drei Wochen und sind im Augenblick sozusagen sesshafte Nomaden. Dieses Ankommen und für längere Zeit bleiben, ist genau das, was uns gerade guttut.

Leonidio ist ein Ort, den man einfach mögen muss.
Er ist noch typisch griechisch, liegt in einer eindrucksvollen Landschaft und zeichnet sich aus durch unglaublich freundlichen Bewohner.

Wenn wir jemanden auf Griechisch grüßen, dann erhellen sich die Gesichter. Mit einem offenen, freundlichen Lächeln grüßen die Griechen laut zurück und manchmal ergibt sich daraus noch ein kurzes Gespräch.

Leonidio entwickelt sich in den letzten drei Jahren übrigens zu einem neuen Kletterspot. Immer mehr Kletterer aus aller Welt zieht es hierhin, um sich an den Felswänden auszutoben.

Ein beliebter Treffpunkt für Kletterer, aber auch für immer mehr Dorfbewohner, ist das gemütliche Café Panjika.
Dort gibt es kleines Angebot an Bio-Produkten, die ihr kaufen könnt, außerdem machen sie sehr leckeres Essen und Kuchen!

Wie reagieren die Leonidier auf die Kletterer? Fühlen sie sich durch das seltsame neue Publikum gestört?
Nein, im Gegenteil: sie finden es toll, dass hier nun auch im Winter was los ist!

Wir fühlen uns hier überall ehrlich willkommen. Ob auf dem Markt, beim Bäcker oder beim Friseur: die Menschen freuen sich darüber, dass wir hier sind und das zeigen sie auch.

Meine schönsten Reiseerfahrungen in Griechenland

Inzwischen habe ich einige schöne Erfahrungen gemacht, für die ich sehr dankbar bin. Genau das sind nämlich die Gründe, warum wir reisen. Wir wollen unseren Horizont erweitern und uns eine eigene Meinung bilden. Vorurteile gibt es schließlich genug und auch von den Medien werden gerne einseitige Bilder erzeugt.

  • Da ist zum Beispiel die Obsthändlerin, bei der ich Bananen kaufen möchte.
    Allerdings habe ich nur einen 20€ Schein und sie kann nicht wechseln. Da sagt sie zu mir mit einem Lächeln „Bring me the money tomorrow“ und packt mir die Bananen ein.
  • Als wir durch eine Obstplantage fahren, stoppt uns auf einmal ein Bauer.
    Wir haben keine Ahnung, was los ist und denken, dass wir dort vielleicht nicht hätten langfahren dürfen. Während Steve die Scheibe runterkurbelt, geht der Bauer zu seinem Hänger und holt Orangen raus, die er uns mitgibt – einfach so.
    Im Gegenzug revanchieren wir uns mit frischem Lebkuchen bei ihm.
  • Auf dem kleinen, sehr aufmerksam geführten Camping Semeli dürfen wir uns nicht nur frische Mandarinen von den Bäumen pflücken, sondern bekommen zum Abschied auch noch ein Glas Oregano geschenkt.
  • Die Bäckerin gibt uns zu unserem Einkauf meistens noch Kekse oder andere Leckereien mit.
Einfach so - geschenkt!

Einfach so – geschenkt!

Worum es wirklich geht

Ganz selten sind wir bisher auf Ablehnung uns Deutschen gegenüber gestoßen. Diese Momente können wir an einer Hand abzählen. Einer ist uns aber in Erinnerung geblieben, weil er so eine schöne Wendung genommen hat.

Wir gehen in eine Taverne, um zu fragen, ob wir dort etwas Wein mitnehmen können. Während ich mich danach erkundige, wird Steve von einem alten Mann angesprochen.

In holprigem Englisch möchte er wissen woher wir kommen und Steve antwortet „aus Deutschland“. Daraufhin sagt der Mann „Ohje, Merkel“, verzieht ablehnend sein Gesicht und will sich wegdrehen.

Und was macht Steve?
Er antwortet das einzig Wahre: „This is not about politics. It‘ s about you and me.“

Der alte Mann hält kurz inne und überlegt.
Schließlich lächelt er, klopft Steve auf die Schulter und sagt: „Welcome to Greece

Ausblick auf Vasca

Ausblick auf Vasca

Besser als mit diesem Erlebnis kann ich unsere Eindrücke nicht zusammenfassen.

Es geht nicht um Politik, es geht um Menschen.
Und die Menschen in Griechenland beeindrucken mich durch ihren Optimismus, ihre Großzügigkeit und ihre Freundlichkeit.

Welche schönen Erfahrungen hast du in Griechenland gemacht?

16 Kommentare

  1. Wow, schön. Beim Lesen hatte ich Gänsehaut. Ihr macht so tolle Erfahrungen – tut richtig gut, das zu lesen.

    Wünsche euch weiterhin eine solch gute Zeit in Griechenland!

  2. Ha, selten so ne geile Rückantwort gehört 🙂 Da hat der Steve den Nagel auf den Punkt gebracht, und getroffen. Schön! Sag mal, hast du etwa Lebkuchen im Bus gebacken? …

    In Kyparissi, fragte mich mal die Metzgerin (die ich nie gesehen habe) ob ich bei der Klettertreff, der am Wochenende stattfand, dabei bin. Da ich so verbluff da stand fügte sie hinzu – „oh, mein Mann hat Dich beim Klettern gesehen, deshalb weiß ich dass du kletterst“. Na, so klein ist der Dorf. 🙂

    Ich hab totale Entzugserscheinungen… ich will sofort zurück!
    Euch weiterhin viele schöne Erlebnisse!!

    Liebe Grüsse, Chris

    • Ja, der Steve kann mit Worten umgehen, wenn er will 😉
      Nee, den Lebkuchen haben wir kurz vorher frisch gekauft. Das wäre mir dann doch zu viel Aufwand …
      Dein Erlebnis in Kyparissi ist auch sweet. Da sieht man, wie gut die Verständigung im Dorf funktioniert 🙂
      Liebe Grüße und … komm vorbei!
      Nima

  3. Wir waren viele Jahre in den Sommerferien mit dem Wohnmobil in Griechenland hauptsächlich auf dem Peleponnese unterwegs. Hatten bis auf eine Begegnung mit einem alten Mann vor 30 Jahren, der vor uns auf den Boden gespuckt hat als wir ihn nach dem Weg gefragt haben, keine schlecht Begegnung mit den Griechen.
    Als die Rinderbauchbucht bei Pylos noch nicht erschlossen war konnte man dort fast ungestört wild mit dem Wohnmobil stehen. Das haben wir gemacht und wurden dort von einem Bauer (der hat dort immer nach dem Salzsee geschaut) mit frischem Gemüse und Wasser versorgt.

    • Hallo Jeanette,
      ich glaube, unangenehme Erfahrungen einfach dazu gehören. Für mich ist es eine wichtige Erfahrung zu spüren, wie sich das anfühlt, wegen seiner Nationalität abgelehnt zu werden. Nicht, weil ich mir das nicht vorstellen kann, sondern weil es mein Bewusstsein gegenüber meinen eigenen Vorurteile schärft.

      Die Ochsenbauchbucht haben wir übrigens auch noch als Ziel offen. Vielleicht sehen wir da ja „euren“ Bauern 😉

      Liebe Grüße
      Nima

  4. Liebe Nima,

    vielen Dank für Deinen schönen Bericht. Da hab ich gleich Lust, unser Wohnmobil Jutta zu satteln, meinen Kerl einzupacken und loszudüsen! 🙂
    Könnt Ihr denn in Griechenland überall frei herumstehen oder müsst Ihr Campingplätze anfahren? Ich vermute mal eher Ersteres. Ich liebe ja Griechenland und möchte wirklich endlich wieder hin. Nur wird das erstmal nix – viel Teenager halten uns derzeit noch auf heimatlichem Boden. *seufz*

    Einen Buchtipp habe ich aber noch: „Gebrauchsanweisung für Griechenland“ von Martin Pristl. Köstlich! 🙂

    Euch beiden noch eine wunderbare Zeit und schöne Grüße auch an den treuen Horst,

    Lilian.

    • Hey Lilian,
      besten Dank für deinen Buchtipp, den schaue ich mir nachher direkt mal an!
      Wir stehen bisher zu 98% frei und fahren nur dann auf den Campingplatz, wenn wir waschen wollen oder unser Strom knapp wird. Hier in Leoindio ist der Campingplatz aber echt auch so süß, dass uns der Aufenthalt dort nicht schwerfällt 🙂
      Da stehen bestimmt zehn Mandarinenbäume, die gerade voller reifer Früchte sind und wir dürfen uns frei bedienen – perfekt!

      Liebe Grüße, auch von Horst 😉
      Nima

  5. Iris und Volker Eich

    Wir können genau das bestätigen . Die Griechen sind so hilfsbereit , großzügig und selten haben wir so ein freundliches Völkchen kennen gelernt. Allerdings ist uns so eine Situtation auch an der Grenze beim rausfahren passiert. Wir zeigten unsere Ausweise bei der Ausreise und der Zollbeamte begutachtete noch unsere Aufkleber auf unserem Wohnmobil. Von hinten kam ein anderer Zöllner , dem es wohl nicht zügig mit unserer Abfertigung ging , und sagte in gebrochenem Deutsch…….Schmeiß die Deutschen schnell hier raus , die sollen wieder zur Merkel abhauen. Darauf antworteten wir ……freu dich nicht zu früh wenn wir jetzt fahren, denn wir kommen nächstes Jahr wieder !! Der Zöllner lachte und sagte: Da freue ich mich , ihr seid immer willkommen . Wir haben gestern die Fähre für Mai gebucht und freuen uns schon wieder Gast in diesem Land sein zu dürfen . Wir wünschen euch noch eine ganz wundervolle Zeit in Griechenland und bleibt schön gesund .
    Liebe Grüße von Volker und Iris

    • Liebe Iris, lieber Volker,
      vielleicht war dieser Zollbeamte ein Verwandter von unserem Herrn 😉
      Wenn ihr im Mai wieder hierhin kommt, habt ihr noch viel Zeit zur Vorfreude. Bis dahin scheint garantiert auch wieder mehr die Sonne als im Augenblick … 😉
      Liebe Grüße
      Nima

  6. Hallo Iris, hallo Volker!

    Heute wird von Schneefall in Athen berichtet und daher stellt sich die Frage, wie ist im allgemeinen das Wetter und die Temperaturen zu dieser Zeit in Griechenland?

    Lg
    Klaus und Michaela
    http://www.freundschaftallervoelker.at

    • Hallo Michaela, hallo Klaus,
      das mit dem Wetter lässt sich vermutlich nicht so leicht beantworten. Die aktuelle Kälte ist für diese Region eher ungewöhnlich. Normalerweise ist das Wetter in Griechenland im Winter ein wenig unbeständiger als z.B. in Südspanien, aber meistens liegen die Temperaturen an der Küste zwischen 10 und 15 Grad.

      Wir waren am 26.12. bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 16 Grad sogar kurz im Meer 🙂
      Liebe Grüße
      Nima

  7. Liebe Nima, hab dich gerade auf dem Hello World Kongress mit Sofia und Jose entdeckt und musste dann natürlich sofort auf deine Webseite schauen, da du ja zur Zeit in Griechenland bist. Das freut mich sehr,
    denn ich lebe schon seit 20 Jahren hier. So wie Sofia bin auch ich Griechin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.
    Mein Erleben von Griechenland nach so vielen Jahren? Tja, da könnte ich dir Berge von Geschichten erzählen, die sich nach so langen Jahren angesammelt haben. Dass die Griechen gastfreundlich und großzügig sind, das kann ich nur unterstreichen. Und so bin ich auch aufgewachsen unter den Griechen in Deutschland. Für mich was ganz selbstverständliches. Aber es gibt auch eine andere, eine dunkle Seite, die man nur sehen kann, wenn man hier wirklich jahrelang gelebt hat. Aber die ist echt viel kleiner als die positive.
    Ich liebe Griechenland einfach und bereue es in keinster Weise hierher gezogen zu sein, trotz der Krise und der vielen vielen Probleme, die wir hier als Familie deswegen täglich durchstehen müssen.
    Mehr erfahren kannst du auch auf meinem Blog, dessen Adresse du ja jetzt hast.

    LG aus Magnisias.
    Nicki

    • Hallo liebe Nicki,
      auf deinen Blog bin ich schon vor unserer Reise nach Griechenland gestoßen und freue mich, dich nun hier zu treffen 🙂

      Dass du Unmengen über Griechenland zu erzählen hast, glaube ich dir sofort! Und dass die Krise hier enorme Auswirkungen auf das alltägliche Miteinander hat, bekommen wir zumindest ansatzweise mit.
      Dennoch beeindrucken uns immer wieder die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen. Dass es auch dunkle Seiten gibt, ist klar – die gibt es überall. Wichtig ist aber, dass du gerne hier lebst und deine Entscheidung nicht bereust 🙂

      Liebe Grüße
      Nima

  8. Nach 20 bisher bereisten Ländern auf unserer Weltreise muss ich sagen, dass auch meiner griechischen Freundin Ellada und mir Griechenland noch am allerbesten gefällt. Land und Leute sind unschlagbar!

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