Wildcampen in Spanien – Tipps und Infos

Wildcampen in Spanien – Tipps und Infos

Zehn Monate sind wir mit unserem sieben Meter langen Bus durch Spanien gereist.
Davon waren wir eine Nacht auf einem kostenpflichtigen Stellplatz, zwei Nächte auf einem Campingplatz und ein paar Mal auf öffentlichen Stellplätzen.

In der restlichen Zeit haben wir freigestanden.

Wieso wir gerne freihstehen?

Weil wir es lieben, alleine in der Natur zu sein und unsere Ruhe zu haben.
Wir suchen die Freiheit und diese finden wir, wenn möglichst wenige – oder keine – Menschen um uns herum sind.

Mit Horst sind wir komplett autark und können bis zu acht Tagen freihstehen, aber wie sieht das mit dem Wildcampen in Spanien grundsätzlich aus?

Horst im Grünen bei Alicante

Horst im Grünen bei Alicante

Wildcampen in Spanien – die Fakten

Grundsätzlich ist das wilde Campen in Spanien nicht erlaubt. Einfach sein Zelt irgendwo in die Wiese zu werfen und dort zu pennen, ist verboten.

Wir sind allerdings nicht mit einem Zelt, sondern in einem Wohnmobil unterwegs und da gilt:

  • Man darf in seinem Wohnmobil übernachten, wenn an diesem Ort das Parken erlaubt ist.
    Allerdings dürfen keine Auffahrkeile benutzt, Tische/Stühle aufgestellt oder Sat aufgebaut werden. Das würde unters Campen fallen und wäre verboten.
Freistehen Santa Gadea

Stühle aufstellen ist eigentlich nicht erlaubt

Was sagt unsere Erfahrung?

Wir hatten in der ganzen Zeit kein einziges Mal Probleme.
Einmal hat uns die Polizei mitgeteilt, dass wir an diesem Ort nicht stehen können und hat uns einen Alternative empfohlen. Disee war nur ein paar Meter weiter, kostenfrei und direkt am Strand – absolut super!

Ob wir durch Horsts Optik einen Charme-Bonus haben oder ob wir einfach auf tolerante Polizisten getroffen sind, wissen wir nicht.
Tatsache ist jedenfalls, dass wir an manchen Orten über eine Woche gestanden haben.

Wir parken 3 Tage in einem winzigen Dorf

Wir parken 3 Tage in einem winzigen Dorf

Wie findest du einen Platz zum Stehen?

Der Reiz des Wildcampens liegt für mich unter anderem darin, selber einen schönes Plätzchen zu suchen. Dafür heißt es, sich auf unbekannte Wege zu begeben, kreativ zu sein und flexibel zu sein.

Nicht immer ist der Platz so eben wie auf dem folgenden Foto. Manchmal sind uns die Töpfe beim Kochen schon entgegen gerutscht, weil wir die Schräge nicht ausgleichen konnten.

Aber es gibt auch Tage, an denen wir ewig durch die Gegend kurven und nichts finden. Der Magen knurrt, wir sind beide müde und wir möchten uns nur noch ausruhen.
An solchen Tagen landen wir auch in einem Gewerbegebiet oder auf einem Baumarkt-Parkplatz – unromantisch, aber pragmatisch.

Beides gehört zum Freistehen dazu: die traumhaften und die weniger schönen Stellplätze.

In einem abgelegenen Wohngebiet

Ganz pragmatisch in einem Neubaugebiet

Mit der Platzsuche ist manchmal eine Portion Nervenkitzel verbunden, wenn wir keine Ahnung haben, wie sich die Offroad-Straßenverhältnisse entwickeln. Und natürlich wissen wir nie, ob wir an dem Platz, den wir dann gefunden haben, auch bleiben können.

Freistehen El Cogul

Frei zu stehen, hat nichts mit öffentlichen Stellplätzen zu tun, nach denen man in irgendeiner App sucht.
Deshalb behalte ich die Orte grundsätzlich für mich, damit sie nicht zu einem Sammeltreffpunkt werden.

Wer aber nach offiziellen Stellplatzmöglichkeiten sucht, dem empfehle ich dieses Buch: ESPAÑA DISCOVERY.
Dort findet ihr mehr als 160 Gastgeber, bei denen ihr mit eurem Wohnmobil eine Nacht stehen dürft, von Bauernhöfen über Restaurants bis hin zu Keltereien.

Unbezahlbare Momente der Ruhe

Unbezahlbare Momente der Ruhe

Inzwischen haben wir einige Erfahrungen gesammelt, um einen Stellplatz für Horst zu finden.

So gehen wir bei der Suche nach einem Stellplatz vor:

  • Wir folgen kleinen Feld-, Wald- oder Schotterwegen.
    Dort gibt es immer mal wieder die Möglichkeit, in einer Ausbuchtung zu stehen.
  • Wir parken auf Wanderparkplätzen (Area de Recreativa), von denen es in Spanien zahlreiche gibt.
    Manchmal befinden sich dort auch Brunnen, an denen Ausflügler ihr Campinggeschirr reinigen können.
  • Gerade in Gebieten, in denen geklettert wird, finden sich oft kleine Parkplätze.
  • Wir meiden alle Orte, die bei Freistehern besonders beliebt sind.
    Dass es im Hochsommer nicht gerne gesehen wird, wenn man am Strand parkt, ist mehr als nachvollziehbar.
  • Wenn wir auf der Durchreise sind oder Arbeitstage einlegen wollen, stellen wir uns auch mal in ein Gewerbegebiet.
    In Spanien gibt es einige, die nicht fertig ausgebaut wurden und daher total ruhig sind.
  • Wir nutzen öffentliche Parkplätze, zum Beispiel an Sportplätzen, Kirchen, Friedhöfen, etc.

Ist das freie Stehen gefährlich?

Viele fragen uns, ob wir beim Freistehen keine Angst haben. Angst vor Überfällen oder vor was auch immer.

Bisher kann ich diese Frage mit „Nein“ beantworten.
Es gab schon Orte, an denen eine seltsame Atmosphäre zu spüren war. Keine Ahnung, was es war, aber in so einem Fall fahren wir einfach weiter.

Ich persönlich fühle mich an einem abgeschiedenen Ort irgendwo in der Natur jedenfalls sicherer als dort, wo sich viele Menschen aufhalten.
Und in Andalusien haben wir beim Wildcampen sogar eine ganz besondere Begegnung mit Ali erlebt.

Oh nein, die Polizei …

Die lustigste Erfahrung haben wir in Kantabrien gemacht, als wir mehrere Tage auf einer Klippe gestanden haben.

Freistehen mit Polizeibesuch

Freistehen mit Polizeibesuch

Wir haben gerade Sat-aufgebaut und die Hunde laufen draußen frei herum, als sie auf einmal einen Wagen anbellen: Die Polizei!

„Das gibt jetzt bestimmt Ärger“ sage ich zu Steve.
Die Polizisten halten vor Horst an und steigen aus, während unsere etwas schwerhörige Luna sie noch immer anbellt. Unser Rufen nimmt sie gar nicht wahr, dümmer kann es kaum laufen …

Mit einer Kamera in der Hand laufen sie los. Ob die jetzt Beweisfotos vom Horst schießen wollen?
Aber anstatt zu uns zu kommen, gehen sie an die Klippe, machen dort Bilder und gehen wieder.

Wir bleiben verdutzt, aber erleichtert zurück – für weitere zwei Tage!

Kritische Stimmen zum Freistehen

Am Freistehen im Wohnmobil scheiden sich die Geister. Für die einen ist es die schönste Form des Campens, für die anderen rücksichtsloses Verhalten vom Feinsten.

Fest steht, dass wir unseren Traum von Freiheit nicht auf einem Campingplatz ausleben können. Aber zum Thema Freiheit schreibe ich demnächst noch etwas mehr.

Wildcampen bedeutet für uns, sich 100%ig respekt- und rücksichtsvoll zu verhalten.

Unabhängig von den offiziellen Gesetzen, die rund ums Wildcampen gelten, ist für mich eines viel wichtiger: Mein gesunder Menschenverstand.

  • Wir parken nicht mit einem heißen Auto auf einer trockenen Wiese, weil das einen Brand auslösen könnte.
  • Wir machen kein offenes Feuer.
  • Wir räumen restlos jeglichen Müll weg, oft auch den von anderen.
  • Wir verhalten und leise.
  • Wir grüßen die Menschen freundlich, die uns begegnen.

Mein Fazit zum Wildcampen in Spanien:

Entgegen der offiziellen Gesetze sieht die Wirklichkeit in Spanien an den meisten Orten recht entspannt aus.

Wenn du Ballungszentren meidest und dich zu 100% respekt- und rücksichtsvoll verhältst, ist das freie Stehen kein Problem.
Vieles hängt natürlich auch davon ab, wie du den Menschen – oder der Polizei – gegenüber auftrittst.

Und vielleicht hast du ja genauso Glück wie wir und gerätst an hilfsbereite Ordnungshüter, die dir bei ihrer abendlichen Kontrollrundfahrt noch nett zuwinken.

Wildcampen mit persönlichem Polizeischutz – auch das ist Spanien!

Horst Nerja

Welche Erfahrungen hast du mit dem Wildcampen in Spanien gemacht?

Gefällt dir der Artikel? Das freut mich sehr.
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8 Kommentare

  1. Artikel trifft den Nagel auf den Kopf.
    Das lästigste und größte Problem der Camper ist das Müllproblem. Leider wird durch Vermüllung nicht nur der Natur respektlos begegnet, sondern auch verständlich Widerstand gegen die Wildcamper erzeugt. Michaela sammelt an Orten, an denen wir übernachten immer den Fremdmüll ein. An Orten, an denen dies wegen der Menge nicht möglich ist, fahren wir weiter. Wir haben auch schon „Kollegen“ auf ihr Verhalten aufmerksam gemacht.
    Bitte dieses Problem immer wieder aufzeigen, sonst graben wir uns selbst das Wasser ab (sh. letztes Posting auf http://www.freundschaftallervoelker.at).
    Klaus und Michaela
    Freundschaft aller Völker

    • Hallo Michaela, hallo Klaus,
      das stimmt absolut.
      Ich frage mich immer, wie es die Leute finden würden, wenn man einfach Müll in ihren Wohnung (oder ihrem Wohnmobil entsorgt). Da wäre die Empörung wahrscheinlich groß!
      Dass ihr den Müll einsammelt, finde ich klasse und halte es für den besten Weg: sich selber vorbildlich benehmen.

      Euch noch viele schöne Stunden unterwegs
      Nima

  2. Hey Nima!

    Es wird viel Panik verbreitet, über das Wildcampen in Spanien u. Frankreich (aufspüren mit Helikopter etc.): die Praxis sieht aber so aus, wie du hier beschreibst! 🙂

    Die Policia kurvt zwar überall herum u. interessiert sich für alles – oft in bester ‚Clint-Eastwood-Manier‘ – aber im direkten Kontakt, sind sie meist freundlich u. hilfsbereit.

    Im ungünstigsten Fall, wirst du eben weiter geschickt (nicht wie in Österreich, wo ein Kontakt gehässigerweise sehr oft in eine Abstrafung mündet…).

    Überwintert habt ihr wahrscheinlich in Andalusien …mich würde noch interessieren, welche Erfahrungen ihr dort – speziell an der Küste – mit Wildcampen gemacht habt …

    Liebe Grüße
    A,lex

    • Das mit den Helikoptern finde ich selber sehr lustig. Als hätten die nix anderes zu tun …;-)
      In Andalusien haben wir uns eigentlich sehr wenig an der Küste aufgehalten, weil es uns ja immer zum Klettern in die Berge zieht. Aber rund um Tarifa oder Zahara de los Atunes war es in den Wintermonaten recht einfach zu stehen.

      Liebe Grüße und eine tolle Zeit 🙂
      Nima

  3. Danke für die guten Hinweise für Spanien. Nach meiner Erfahrung ist die Toleranz vor allem außerhalb der Hauptsaison ungleich größer.

    Hier sind meine liebsten (freien) Stellplätze: http://www.vanabout.eu/map

    Gruß, Peter

    • Hey Peter,
      ja, außerhalb der Hauptsaison gibt es im Grunde keine Probleme, wenn man sich nicht total rücksichtslos verhält.
      Danke für deine Tipps und liebe Grüße aus Griechenland 🙂
      Nima

  4. Hallo Nima, Klaus und Michaela!
    Ihr beschreibt „meinen“ Weg durch Land und Natur. Ich habe fast gedacht, das ich der Einzige bin, der dafür sorgt, das diese Art des Reisens irgendwann ein Ende findet. Diese unendliche Vermüllung durch „Camper“ und Einheimische geht mir echt auf den Senkel. Für mich gilt das System „Camping+“ also Aufräumen des Übernachtungsplatzes als Eintrittspreis für dieses tolle Erlebnis.

    Ich wünsche euch und mir weiterhin tolle Erlebnisse und das zufällige Treffen an einem Kreuzweg irgendwo in Europa. Gruß, Mickel aus Lübeck (unterwegs mit Pickup und Wohnkabine Tischer 260S)

    • Hey, hallo 🙂
      Camping+ ist ein schöner Begriff, der gefällt mir!
      Ich sehe es so: Wenn ich bei Freunden zu Besuch bin, hinterlasse ich auch kein Chaos, sondern räume mein Zeug weg.
      Und die Natur ist unser Freund, deshalb ist es für mich selbstverständlich, sie nicht zu verschmutzen.

      Freut mich, dass du das auch so siehst 🙂
      Dir noch eine leichte Zeit und vielleicht treffen wir uns tatsächlich einmal
      Liebe Grüße
      Nima

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