Das sind doch Esel…!!!

Das sind doch Esel…!!!

“Ist der schwanger?” – “Nein, die sehen so aus”.
Hm, ich bin zwar kein Eselexperte, aber dieser Bauch sieht schwanger aus. Denise allerdings ist Expertin auf dem Gebiet der Langohren und weiß es daher besser. Seit vier Jahren lebt die gebürtige Schweizerin in Katalonien und bietet mit www.burrotrek.com unterschiedlichste Esel-Wanderungen an.

Also für mich sieht das schwanger aus...

Also für mich sieht das schwanger aus…

Neun “Burros” tummeln sich auf der riesigen Weide. Zwei davon sollen für die nächsten vier Stunden unsere Begleiter und Traghilfen sein. Anscheinend ahnen sie es, denn sie stehen prompt am anderen Ende der Weide. Die zwei Auserwählten heißen Moskit und Bruc, sind vier bzw. fünf Jahre alt und laut Denise voller Tatendrang und eseligem Temperament. Bergab können sie zu richtigen Speed-Eseln mutieren – das kann ja heiter werden!

Wie bremst man denn so einen Esel?
Denise gibt uns eine fachgerechte Einweisung in die Eselwelt, so dass nachher eigentlich nichts schiefgehen kann.

  • Zum Bremsen auf keinen Fall am Seil/Halfter ziehen, sonst gibt der Esel nur noch mehr Gas.
  • Besser: Zusehen, dass man sich vor den Esel stellt und ihn so stoppt. Bergab wird das auf jeden Fall zu einer sportlichen Herausforderung…

Dennoch beruhigend, dass Denise uns begleiten wird!

Ein wenig verwegen, der Bruc

Putzen, packen, wandern

Bevor es losgeht, bekommen Steve und ich die Aufgabe, Moskit und Bruc zu putzen. Damit sie sauber sind und zum persönlichen Kennenlernen. Den beiden scheint`s zu gefallen. Jetzt die Packtaschen drauf und auf geht`s!

Wir haben ungefähr neun Kilometer vor uns von Rabós bis Garriguella.
Nur 15km entfernt vom Meer erwarten uns Korkeichenwälder, Weinterrassen, Olivenhaine, Sonne, Wolken und herbstliche Farbspiele. Das katalanische Hinterland ist abwechslungsreich und vielseitig. Immer wieder laufen wir an Thymian- und Rosmarinsträuchern vorbei und genießen den mediterranen Duft. Mal unterhalten wir uns über die Esel und das Leben in Katalonien, mal gehen wir schweigend, jeder in seine Gedanken versunken.

Das Tempo geben Bruc und Moskit vor, ungefähr 4 Esel km/h. Moskit ist der sensiblere von beiden, eher der Nachläufer. Bleibt Bruc stehen, um sich mit einem Happen Gras zu stärken, hält Moskit abrupt an und bewegt sich nicht mehr von der Stelle. Keine Diskussion, keine Überredungskünste – Moskit steht das aus!

Entspannte Menschen und Tiere

Nach zwei Stunden kommen wir auf einem Hügel oberhalb von Vilamaniscle an. Von hier kann man bei klarem Wetter bis auf das Meer sehen – wunderschön!
Heute ist es zwar wolkig, aber angenehm warm und genau richtig für die Tour. Wir binden Bruc und Moskit mit zwei langen Seilen an zwei Bäume und nehmen ihnen das Packzeug ab, damit sie sich erholen können. Zeit zum Entspannen, für die Esel und für uns.

Käse, Brot, Oliven Nüsse und Möhren, ein einfaches, aber leckeres Picknick. Luna, Jule, Benji und Limba hoffen auf unsere Großzügigkeit, aber mehr als eine Möhre springt für sie nicht heraus. Dafür bekommt Benji von Steve ein paar Streicheleinheiten und ist damit auch zufrieden.

Frisch gestärkt den Esel bremsen
Nach 30 Minuten machen wir uns frisch gestärkt an die zweite Etappe.
Jetzt geht es bergab und Bruc hat den Schalk hinter seinen langen Ohren sitzen. Steve geht mit ihm voraus, Moskit und ich latschen gemütlich hinterher.

Das Bild, das die beiden abgeben, ist einfach zu lustig: Ein störrisch beschleunigender Bruc und ein dagegen mit vollem Körpereinsatz ankämpfender Steve. Da es ihm kaum möglich ist, sich vor Bruc zu stellen, greift er zur absoluten Notlösung: Bruc zur Seite “umlenken” und ihm was zu fressen anbieten. “Hey Bruc, schau mal, wie wäre es mit einem Bissen von dem Strauch?” Bruc reißt sich gnädig einen Zweig ab, frisst ihn ihm Gehen und setzt dann wieder mit gesenktem Kopf zum Beschleunigen an.

Ich habe meinen Spaß und Steve eine herausfordernde Aufgabe, die er super meistert – der geborene Eselflüsterer!

“Nö, ich gehe da nicht hoch” – da hilft auch kein Flüstern

Endspurt mit Sonne und Bilderbucheindrücken

Kurz vor unserem Ziel kommt die Sonne nochmal richtig raus. Die Landschaft sieht aus wie gemalt. Vor lauter Fotografieren verliere ich fast den Anschluss, aber Moskit ist das egal. Er bleibt seinem (Schnecken-) Tempo bis zum Schluss treu.

Geschafft, wir sind da!
Zehn Kilometer in vier Stunden. Die Hunde, die Esel und wir sind glücklich erschöpft. Bruc und Moskit teilen sich noch einen Apfel und dann geht es ab auf die Weide.

Luna und Jule fallen k.o. ins Auto und schlafen fast während des Reinspringens schon ein.
Ihnen hat es gefallen und ich bin stolz auf meine Mädels. Sie haben das wirklich toll gemacht und schnell begriffen, dass sie zu den Eseln ein wenig Abstand halten müssen. Tun sie das nicht, schlagen die Esel mit den Vorderhufen nach ihnen.

Auch mit den zwei Jungspunden Benji und Limba haben sie sich klasse verstanden, so dass alte und junge Hunde, die Esel und wir ein harmonisches Team gebildet haben.
Hier erfährst du übrigens noch ein wenig mehr über Luna, Jule und das Reisen mit Hunden in Spanien.

Der letzte Abschnitt führt durch ein Weinfeld

Der letzte Abschnitt führt durch ein Weinfeld

Wandern mit Eseln – ja oder nein?

Das Wandern mit den Eseln war, trotz Brucs gelegentlicher Renneinlagen, absolut entspannend und hatte auf uns eine entschleunigende Wirkung. Die Esel geben das Tempo vor und das ist gut so. Wenn man offen dafür ist, lernt man auch noch ein paar neue Dinge über sich selbst und seine Führungsqualitäten. Dank meines braven Begleiters Moskit war ich aber kaum dazu gezwungen, mich durchzusetzen. Dafür musste ich ihn gelegentlich motivieren, mal einen Schritt zuzulegen…

Natürlich wollte ich unbedingt wissen, wie die Esel gehalten werden und ob sie ein artgerechtes, schönes Leben führen. Das ist bei Denise in jeder Hinsicht der Fall. Die Tiere werden nicht als Touristenattraktion vermarktet oder ausgebeutet, sondern liebevoll versorgt und mit viel Sachverstand gehalten. Und so ist Denise mit www.burrotrek.com ein echter Geheimtipp!

Unser Fazit?
Wir würden das jederzeit wieder machen! Es ist sogar möglich, sich einen Esel für einen oder mehrere Tage zu leihen und alleine zu wandern.

Sehr gut gefällt mir auch, dass der Stall leicht und schnell zu erreichen ist – nur 15 Minuten von Figueres entfernt!
Die Eselwanderungen sind für jeden geeignet, vom faulen Kurzstrecken-Spaziergänger bis hin zum ausdauernden Wanderer. Denise passt die Touren genau auf die Teilnehmer an und sorgt dafür, dass die Wanderung zu einem gelungenen Ereignis wird.

Esel gut, alles gut!

Esel gut, alles gut!

Wir verabschieden uns von Bruc und Moskit mit einem letzten freundschaftlichen Klaps und machen uns zufrieden auf den Rückweg – mit dreckigen Fingern, müden Beinen und entspannten Gesichtern!

Warst du schon mal mit Eseln wandern?

8 Kommentare

  1. Das klingt superinteressant. Ich behalte mal die Schnupperwanderung am 8. März im Auge, da bin ich auf jeden Fall in Spanien, weiß nur noch nicht, wo genau. Ist das dann eine Gruppe? Wie viele Leute sind es bzw. gibt es eine Mindestzahl, damit die Wanderung stattfindet? Oder auch eine Höchstzahl? Und kommt man ohne Auto zu den Eseln?

    • Freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt!
      Am besten schreibst du Denise direkt eine Mail, denn die Details zu den einzelnen Wanderungen kennt sie natürlich am besten :-)
      Sie kann dir auch sagen, ob und wie du ohne Auto zu ihr kommst.

      Liebe Grüße
      Nima

  2. Hi Nima!!!

    Klasse – ich hab deinen Artikel gerade verschlungen! Jetzt hab ich richtig Lust auf eine Esel-Wanderung! Wo genau ist das?! Ich hatte nämlich auch gerade ein Erlebnis der 3. Art mit den langohrigen, grauen Nutztierchen! hihihi … hab Maria, Josef und Jesus getroffen!!! Wenn Du Lust hast: http://www.mallorca-talks.com/esel-attacke/ ;-)

    Ganz liebe Grüße und ein herzliches IAHHHHHH
    von
    Barbara

    • Hola Barbara,
      unsere Eselwanderung war in der Nähe von Figueres, also Katalonien. Von Mallorca gibt es dorthin ganz gute Flugverbindunden, glaube ich ;-)
      Lieben Dank für deine tierischen Grüße!!!
      Nima

  3. Oh wie schön!
    So wie es aussieht, bin ich demnächst zwar nicht Spanien, aber am liebsten würde ich sofort eine Esel-Wanderung buchen :)

    Die Eselchen klingen bezaubernd!
    Bei einem Tempo von 2,5 km pro Stunde ist sicherlich jeder entspannt, der sich darauf einlässt.

    Und die Hundebilder erwärmen sowieso mein Herz <3

    Liebe Grüße
    Linda

    • Hallo liebe Linda,
      die Esel waren wirklich zuckersüß!!! Für mich war es allerdings entspannender (zumindest bergab) als für meinen Freund ;-)
      Auf jeden Fall würde ich das jederzeit wieder machen, es macht richtig Spaß!
      Liebe Grüße
      Nima

  4. Liebe Nima,
    einen schönen Bericht über eure Wanderung hast du da geschrieben. Ich war auch schon Eselwandern und kann alles unterschreiben, was du erlebt hast. Wir waren mit 2 kleinen Kindern und einem Esel (dem großartigen Bronco) fast 4 Wochen auf Korsika unterwegs. Unsere Erlebnisse habe ich in einem Buch festgehalten – vielleicht interessiert es dich ja. Es heißt “Ist das jetzt der Urlaub?” – das hat meine 3jährige Tochter am 2. Tag der Wanderung gefragt… Weitere Infos gibt es auch auf http://www.ist-das-jetzt-der-urlaub.de. Dort würde ich gerne auch die Eselwanderungen in Spanien vorstellen. Einige Anbieter habe ich dort auch schon vorgestellt.
    Eselige Grüße
    Christine

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