Vom Wildcampen und Wassermelonen

Vom Wildcampen und Wassermelonen

Es ist mitten in der Nacht und wir haben uns verfahren! Unser Ziel ist Siurana, aber wir sind gut und gerne 150 km entfernt in der Nähe von Lleida.

Nach zweistündigem Rumgegurke durch das katalanische Hinterland entschließen wir uns, den Rest der Nacht mit Schlafen zu verbringen und die Suche nach Siurana am nächsten Morgen fortzusetzen. Eines der weltweit bekanntesten Klettergebiete will sich uns nicht ohne Weiteres präsentieren…

Also, Auto auf einem Seitenstreifen abstellen – auf irgendeiner kleinen Landstraße – und schlafen!

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass doch mehr Autos auf dieser Straße fahren, als wir es gedacht hätten. Was soll`s, wie frühstücken erst einmal, auch wenn der Ort wenig wilde Romantik versprüht, wie wir es sonst vom Wildcampen kennen.

Wir hocken also auf dem Crashpad hinter dem Auto und geben vermutlich einen seltsamen Anblick ab. Völlig verschlafen, mit ein paar mickrigen Frühstücksutensilien und `nem Gaskocher für den obligatorischen Kaffee aus der Aluminiumkanne. Daneben eine übernächtigte Jule, der das alles nicht geheuer ist.Jule

Unsere Idylle wird von einem Auto unterbrochen, aus dem uns ein alter Mann mustert, dann aber doch weiterfährt. Erleichterung! Auf Stress am frühen Morgen (oder wann auch immer) haben wir beide keine Lust.

Zehn Minuten später taucht der Wagen wieder auf und hält an! Ich sage noch aus Spaß zu meinem Freund: „Der bringt uns bestimmt was zu essen, weil wir so fertig aussehen“.
Der alte Mann kramt währenddessen auf der Rückbank herum und holt eine dicke Wassermelone raus. Er kommt tatsächlich zu uns und gibt sie uns mit den Worten: „Die habe ich gerade frisch aus meinem Garten für euch geholt. Ich hoffe, ihr mögt sie…“

Ob wir sie mögen? Ich bin sprachlos! Mir stehen vor Rührung Tränen in den Augen und ich bin durch diese Geste tief beeindruckt, so eine selbstverständliche Herzlichkeit. Wir halten ein wenig Katalanisch-Spanischen Smalltalk, bevor er sich verabschiedet und uns mit der Melone zurück lässt.

Das sind die Momente auf Reisen, die mich berühren und darüber nachdenken lassen, ob so etwas auch in Deutschland passieren würde.
Was denkst du? Welche Situationen haben sich dir auf einer Reise nachhaltig eingeprägt?

 

8 Kommentare

  1. Mein Freund und ich sind vor ein paar Jahren, als wir die Via de la Plata gewandert sind, mittags einfach von 2 Hundespaziergängerinnen zu ihnen nach Hause in den Garten geladen worden.Dort habe sie uns Jamon Serrano, Käse und kalte Getränke aufgetischt. Sie haben uns erzählt, dass sie auch oft pilgern waren und immer nett behandelt worden sind, da wollten sie davon etwas zurückgeben. Auch was zurückzugeben, nicht nur empfangen – die 2 sind mir ein grossen Vorbild.

    • Das mit dem Zurückgeben finde ich einen sehr guten Hinweis!
      Wenn man selber erfahren hat, wie schön das Gefühl ist, spornt es umso mehr an, so etwas für andere auch zu machen, oder?

  2. Ich denke ….(ich weis es sogar :)) wenn man mit offenen Herzen durch die Welt geht wird man solche Gesten öfters erleben. Das besondere daran ist, man lernt dabei selbst gern zu geben und es macht Glücklich.

  3. Hella-Maria Schier

    Als ich allein und ohne Auto in Spanien unterwegs war und kaum etwas von der Sprache konnte, bin ich immer wieder geradezu fürsorglichem Verhalten begegnet. Einheimische in der Provinz, die mich bis vor die Tür einer preiswerten Pension geleiteten, mich am Morgen mit dem Privatwagen zur nächsten Bus-Station fuhren, mir halfen, als ich meinen Rucksack mit allen Papieren nachts in einem Bus vergessen hatte….
    Auf der Reise mit dem Wohnbus haben wir mal etwas sehr Originelles, eine wirklich schöne Geschichte, in West-Katalonien erlebt, in dem Dorf Corca (eigentlich gehört ein Häkchen unter das zweite c), dem Eingangsort zu der Wanderung durch die Congost de Ribera.
    Wir standen über die Nacht auf einer winzigen Plaza mit kleinem Brunnen und tollem Blick auf die Berge der Vorpyrenäen, und hatten nicht mehr viel Frisches zu essen. Plötzlich am Morgen hielt unter lautem Hupen ein Lieferwagen neben uns, der offenbar Lebensmittel an die Dorfbewohner verkaufte. Mein Reisekumpel war vor Sehnsucht nach Frischem anscheinend schon so verzweifelt, dass er dem Fahrer auf Deutsch, genauer Kölsch, zurief: „Haste Jemös?“ („Hast du Gemüse?“)
    Ich dachte, jetzt ist er ganz verwirrt und war völlig verblüfft als die Antwort kam: „Ja, wat willste han?“(kölsch: was willst du haben?)
    Es stellte sich heraus, dass der Gemüseverkäufer in Deutschland aufgewachsen war und auch Köln kannte – aber er sei Spanier, betonte er. Als seine alten Eltern ins spanische Heimatdorf zurückkehren wollten, hatte er sich entschlossen mitzukommen. Nur gab es dort in der Krise praktisch keine Arbeit für ihn. So hatte er die Idee, sich einen Lieferwagen zu besorgen, den einsamen Bauernhöfen ringsum ihr Gemüse, Honig etc. abzukaufen und es in die Dörfer zu bringen, in denen fast nur noch alte Leute leben, die keine weiten Wege mehr machen können.
    Das fand viel Anklang. „Eigentlich rentiert es sich nur richtig“ sagte er, „wenn in den Dörfern im Sommer die Kinder aus der Stadt zu Besuch sind, die übrige Zeit trägt es sich nur gerade so – aber jetzt habe ich einmal damit angefangen und die alten Leute freuen sich immer so, wenn ich komme.“
    Diese waren uns Fremden bisher eher höflich zurückhaltend erschienen – aber jetzt strömten sie aus allen Häusern und standen laut lachend und redend um den Lieferwagen herum, machten anzügliche Witze, hatten Spaß – es schien d a s Ereignis in ihrer stillen Welt zu sein und wir konnten den Lebensmittelhändler verstehen. Natürlich kauften wir ihm eine Menge ab. Etwas von dem Honig habe ich jetzt noch und dieses Dorf hat sich in uns beiden in die Seele eingeprägt. – Es ist da übrigens wirklich wunderschöne Natur. In der Schlucht Congost de Ribera liegt die Grenze nach Aragón – aber den Weg hindurch sind wir nicht gegangen, er ist schwindelerregend, nur in die Felswand gehauen, ohne Geländer geht man neben einem Abgrund, dafür war es schon zu dunkel gewesen , als wir den Eingang erreichten.

    • Das ist ja eine süße Geschichte mit dem Kölsch 🙂
      Ich stamme ja auch aus dem Rheinland und kann mir das Ganze umso lebhafter vorstellen 😉
      Liebe Grüße
      Nima

  4. Wir haben auf unserer Skandinavientour d. J. sehr nette Hilfsbereitschaft erfahren. In Dänemark lief unser Kühlschrank im Wohnmobil nur noch auf Strom. Es waren um die 30° und wir hatten Medikamente dabei, die keine Hitze vertrugen. In der Werkstatt hatte niemand Zeit, da gerade Ferien waren und viele Urlaub machten. Ein Ehepaar, das unser Problem mitbekam, nahm uns mit in ihr Zuhause. Während uns die Frau mit Getränken versorgte, telefonierte ihr Mann nacheinander alle Werkstätten ab, bis die 5. Hilfe zusagte. Diese Werkstatt war ein 1-Mann-Betrieb und mit Druckluft wurde unser Problem behoben. Dafür wollte der Mechaniker kein Geld!

    In Norwegen waren die meisten Campingplätze bereits geschlossen. Wir kauften in einem kleinen Supermarkt ein und fragten, ob es in der Nähe einen geöffneten CP gebe, da wir Strom benötigten. Der Filialleiter bot uns seinen Strom an. Nachdem wir die Handys, Kamera und Ebook aufgeladen hatten und bezahlen wollten, wehrte er ab und fragte stattdessen, ob wir vielleicht noch Wasser bräuchten.

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