Vom Angsthasen zur freiheitsliebenden Abenteuerin

Vom Angsthasen zur freiheitsliebenden Abenteuerin

Die Leben ist echt gefährlich, das sage ich dir!

Du glaubst mir nicht?
Dann schau doch mal die Nachrichten oder lies die Tageszeitung. Überall Mord, Totschlag und Katastrophen, über Krankheiten brauchen wir gar nicht erst reden.

Wenn dir das zu abstrakt ist, kann ich die vemeintlichen Gefahren auch konkretisieren.

  • Was, wenn ich mit meinen Hunden nach Südeuropa fahre und sie sich da was einfangen?
    Da bleibe ich mit ihnen doch lieber in Deutschland, das ist sicherer.
  • Camping kommt für mich als Urlaubsform überhaupt nicht in Frage!
    Ich habe nämlich Angst vor Spinnen und anderen Insekten.
  • Mit der Fähre fahren?
    Bloß nicht, die könnte sinken und der Gedanke daran macht mich total nervös. So wie andere Flugangst haben, mag ich keine Schiffe – ganz einfach.

Du denkst, das ist ganz schön an den Haaren herbeigezogen?
Ist es nicht.
Genau solche Gedanken waren jahrelang fest in meinem Kopf verankert. Egal, worum es ging, der erste Gedanke war immer: Achtung, das könnte gefährlich sein, pass gut auf!

Kannst du dir vorstellen, wie anstrengend das ist? Sich ständig in alle Richtungen abzusichern und ja kein Risiko einzugehen?
Es ist nicht nur anstrengend, es macht total fertig und hat mir irgendwann die Lebensfreude geraubt.

Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, mit meinen Hunden nach Südeuropa zu reisen

Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, mit meinen Hunden nach Südeuropa zu reisen

Raus aus der Angstzone

Neben meiner Tendenz zur Ängstlichkeit gibt es natürlich noch weitere Eigenschaften, die mich auszeichnen. Allerdings habe ich diesen lange Zeit wenig Raum zugestanden. Stattdessen hatte der ängstliche Anteil das Sagen übernommen.

  • Ich interessiere mich für andere Menschen und Kulturen.
  • Ich probiere gerne Neues aus.
  • Ich kann sehr beharrlich Ziele verfolgen.
  • Ich kann mir sehr vehement für etwas einsetzen, das mir am Herzen liegt, so wie für Feli.

Angst lähmt

Ich mache jetzt keinen Ausflug in die Psychologie, um den Sinn von Angst zu verdeutlichen. Natürlich ist Angst in einem gewissen Rahmen sinnvoll und überlebenswichtig.
Aber wenn ich mir um jedes ungelegte Ei Sorgen mache, dann ist Angst ein riesiger Hemmschuh, der mich am Weiterkommen hindert. Wie ein Klotz am Bein hält sie mich vor allen neuen Erfahrungen zurück – zu meiner Sicherheit.

Verbunden mit so viel Sorgen ist entsprechend auch Stress. Es kostet nämlich viel Energie, sich über jeden Mist Gedanken zu machen, sich abzusichern und möglichst genau vorauszuplanen.

Die Anspannung steht mir hier ins Gesicht geschrieben.

Die Anspannung steht mir hier ins Gesicht geschrieben.

Stop – es reicht!

Und wie es mir irgendwann gereicht hat.

  • Wohin bringt mir meine Angst denn?
  • Was wird durch sie denn besser?
  • Fühle ich mich durch sie leicht und glücklich?

Nein, sie engt mich ein und nimmt mir die Luft zum Atmen.

Jahrelang hatte ich davor Angst davor, dass ich Leuten auf den Schlips trete, wenn ich Nein sage.

  • Dass ich es anderen nicht recht mache und nicht mehr gemocht werde.
  • Dass ich einen Fehler mache, den ich doch hätte vermeiden können.
  • Dass ich enttäuscht werde oder selber jemanden enttäusche.
  • Dass ich mich verletze oder krank werde.
Heute fühle ich mich deutlich zufriedener als früher

Heute fühle ich mich deutlich zufriedener als früher

Aus einem Angsthasen wird eine Abenteuerin

Die größte Veränderung, die im Jahr 2012 mit meinem Neuanfang verbunden ist, ist diese hier: Ich suche mir einen neuen Vornamen aus.

Meinen ursprünglichen Namen mochte ich noch nie, schon als Kind nicht. In dem Buch “Mein Leben in Bhutan*”, das von einer kanadischen Lehrerin handelt, die in Bhutan arbeitet, stoße ich auf Nima. Mich spricht dieser Name sofort an und ich recherchiere, was er bedeutet:

  • im Arabischen: Blume
  • im Tibetischen: Sonne

Ja, so möchte ich gerne heißen: Nima
Ab dem ersten Tag in Katalonien stelle ich mich überall mit Nima vor. Auch Steve, den ich dort kennenlerne, erfährt nur meinen neuen Vornamen.

Nima Ashoff
Als ich 15 Monate später nach Deutschland zurückkehre, steht für mich fest, dass ich mich offiziell umbenennen lassen möchte. Und siehe da: ich schaffe das, was fast alle für unmöglich halten!

Aber vorher befreie ich mich in Katalonien zuerst Stück für Stück aus meinen eng geschnürten Angstkorstett, um endlich wieder Luft zum Atmen zu haben.
Ich probiere alles Mögliche aus, um herauszufinden, ob es mir Spaß macht. Woher soll ich es schließlich sonst wissen? In Mini-Schritten werde ich zur Outdoorfrau.

Natürlich melden sich auch meine Zweifel zu Wort.
Sie sind kreativ im Erfinden von irgendwelchen Szenarien.

  • Was, wenn ich mich mein Meerkajak total blöd anstelle und blamiere?
  • Was, wenn ich mich mit den Leuten nicht unterhalten kann, weil mein Katalanisch noch so schlecht ist?
  • Was, wenn das Pferd durchgeht und ich runterfalle?

Was, wenn … Was, wenn … Was, wenn …?

Zweifel töten mehr TräumeJa, was wäre denn dann?

Zum ersten Mal drehe ich den Stimmen den Ton leiser. Sie mögen es gut mit mir meinen, aber jetzt reicht es einfach.

  • Wenn ich mir beim Kajakfahren das Paddel über die Rübe ziehe, dann soll es so sein. Es ist doch nicht schlimm, etwas nicht zu können. Ich kann ja auch einfach über so ein Missgeschick lachen!
  • Wenn mein Katalanisch nicht reicht, um mich zu unterhalten, dann nehme ich halt Hände und Füße.
  • Und wenn das Pferd durchgehen sollte, halte ich mich so fest es geht. Ich bin doch als Kind auch geritten und werde das schon hinbekommen!

Ich werde immer besser darin, mir Mut zuzusprechen und den Befürchtungen den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Und ich sammele endlich Erfolgserlebnisse, die mich aufbauen. Ich lerne, endlich wieder an mich zu glauben, mit etwas zuzutrauen und mich zu fordern.

Dass ich bei einem Sport wie dem Klettern hängenbleibe, hätte ich damals selber nicht geglaubt, aber es ist passiert. All diese kleinen Erfahrungen geben Selbstvertrauen und das ist nicht kompatibel mit ständigem Sorgenmachen.

Wer Vertrauen in sich und seine eigenen Fähigkeiten hat, vertraut auch darauf, dass er Lösungen für Probleme findet.

Nima

Entspannung wirkt gegen Angst

Was mir bis heute hilft, meine Grübeleien im Zaum zu halten, sind Entspannungstechniken.

Vor dem Einschlafen mache ich gerne eine Kombination aus Autogenem Training und Progressiver Muskelentspannung.
Außerdem nehme ich mir mehrmals pro Woche 20 Minuten Zeit, um zu meditieren. Dabei merke ich sehr deutlich, welche körperlichen Reaktionen ein Gedanke nach sich zieht. Ist es ein unangenehmer Gedanke, verengt sich mein Brustkorb und ich spüre, dass ich flacher atme. Das kann auf Dauer nicht gesund sein.

Meditieren am MeerMein Lieblingsbuch zum Thema Meditation ist übrigens dieses hier: Meditation für Dummies*.
Darin werden nicht nur viele verschiedenen Meditationsmöglichkeiten vorgestellt, sondern auch die Hintergründe verständlich und unesoterisch erklärt.

Eine sehr empfehlenswerte CD mit einer Mischung aus Autogenem Training und PMR ist die von Christian Mörsch, Entspannter Leben*.

Den Körper ganz bewusst zu entspannen, ist für mich inzwischen ein wichtiger Faktor geworden. In einem entspannten Körper wohnt nämlich auch eine entspannte Psyche!

Pack die Angst ein und geh los

Ängste habe ich auch heute noch, nicht nur beim Klettern. Beim Wandern habe ich auf abschüssigen gerölligen Wegen so die Hosen voll, dass ich ohne Hilfe nicht weitergehen kann. Um das zu ändern, nehme ich demnächst an einem speziellen Höhen- bzw. Sturzangst Coaching teil.

Obwohl ich mir auch heute über manche Dinge noch einen Kopf mache, verhalte ich mich anders. Ich höre hin, was mir die Angst sagen will und entscheide dann, was ich mache.

Mal gebe ich der Angst kontra, mal drehe ich ihr den Ton ab und mal beruhige ich sie. Und manchmal packe ich sie einfach ein und nehme sie mit. Dann jubeln wir gemeinsam über die geschaffte Kletterroute oder genießen den Ausblick von der Fähre auf das weite Meer.

Sonnenuntergang auf Fähre

10 Kommentare

  1. Munay sonqo,

    Wunderbar zu lesen…. Allerherzlichsten Dank !
    ƬĤΛИҠs FoŔ ßƐĪИƓ as You are.

  2. Liebe Nima,

    ja, das Thema Angst kenne ich zu genüge und es ist schön, dass gerade Aussteiger wie du davon berichten und zeigen, dass wir oft zu viel Angst haben und uns dabei selbst im Weg stehen. Dass unser Wunsch nach perfekter Absicherung nur dafür sorgt, dass wir zuhause mit uns selbst eingesperrt sind, wenn wir auf diese Zweifel hören. Ängste beherrschen auch oft meine Gedanken.
    Woher weiß man, was die richtige Entscheidung ist?
    Ich habe diese Ängste schon immer, aber wie du drehe ich seit einigen Jahren ihren Ton leiser, diskutiere mit ihnen und entscheide dann.
    Ich stelle ihnen immer die Frage: Was wäre die schlimmste Konsequenz und was die Beste? Selten wiegen dann am Ende die negativen Konsequenzen einer Fehlentscheidung die Positiven wieder auf.

    • Hey liebe Christa,
      das mit dem Abwägen ist eine gute Möglichkeit, den Ängsten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, das kann niemand im Vorfeld wissen. Nichts zu tun und sein Leben einfach verstreichen zu lassen, das wäre jedenfalls schade. Deshalb finde ich es klasse, dass du es angehst und für dich nach Wegen suchst :-)
      Liebe Grüße
      Nima

  3. Hier koennt Ihr mal Lesen wie ich – wir unser Leben – Gemeistert haben!

    unter meinem Namen by http://www.myheimat.de

    Gruss Mario & Regina.

  4. Hallo Nima,
    ich beschäftige mich auch schon seit längerem, mit dem Wohnmobil auszusteigen. Von daher werde ich Deinen Blog aufmerksam lesen :)
    Liebe Grüße
    Anja

  5. Stefanie Fischer Fernández

    Hi Nima,
    Wie richtig!! Hier habe ich eine schöne und treffende Erinnerung gefunden, dass wir uns nicht aufhalten lassen dürfen.

  6. Hallo zusammen, Angst hin oder her…die hat jeder mehr oder weniger…ich stelle mir die Frage, wie finanziere ich das “Nein” sagen….auch wenn ich schon ein Gefährt habe und konkrete Vorstellungen habe, fehlt doch jedem ein gewisses Startkapital, oder zumindest eine Idee wie man die erste Zeit über die Runden kommt, man setzt sich doch nicht einfach ins Auto und los…? Da wäre doch bei der ersten größeren Reparatur..”Schicht im Schacht,” wenn man nicht gerade ein paar Tausender im Sparstrumpf hat…..zumindest für so lange sich über Wasser halten kann, bis man eine Möglichkeit gefunden hat sich über längere Zeit mit seinem Gefährt übers Land zu bewegen, von nichts kommt doch nichts….lasse mich gerne eines Besseren belehren, alles scheint möglich..bis dahin
    vg Peter

    • Na, da stecken aber ein paar Generalisierungen drin ;-)
      Nicht JEDEM fehlt ein gewisses Startkapital, sondern vermutlich aktuell dir, oder? Wir haben bewusst auf den Umstieg ins Wohnmobil hingearbeitet, Geld zurückgelegt und alles mögliche verkauft, was wir nicht mehr benötigen.
      Sich nicht von seiner Angst unterkriegen zu lassen, bedeutet doch nicht, kopflos irgendwas zu machen?
      Auch bei uns fällt das Geld nicht vom Himmel, das hat aber nichts mit dem Thema Angst zu tun.

      Ob ich in einer Wohnung lebe oder in einem Wohnmobil: meinen Lebensunterhalt muss ich irgendwie verdienen. Ich arbeite dazu über das Internet, andere suchen sich vielleicht vor Ort Jobs, wieder andere sind angestellt in Deutschland und wohnen dennoch im WoMo.

      Vor ein paar Jahren hätte ich mir allerdings – und da kommen wieder Zweifel und Sorgen ins Spiel – nicht vorstellen können, mal über das Internet zu arbeiten. Dann habe ich das Ganze einfach angepackt und siehe da: ich habe einen Weg gefunden.
      Konzentriere dich also darauf, wie eine Lösung aussehen könnte, nicht auf das Problem.
      LG
      Nima

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