S wie Spanien

S wie Spanien

Wenn mich jemand fragt, was ich an Spanien alles gerne mag, dann kann die Antwort schon mal ein bisschen dauern.

Nicht, weil ich so lange überlegen muss, sondern weil mir so viele Dinge einfallen.

Als Sabine von ferngeweht jetzt zur Blogparade „Stadt, Land, Fluss“ aufgerufen hat, habe ich mir natürlich sofort den Buchstaben S gesichert.

S wie Sierras
S wie Sangria
S wie schöne Strände
S wie super Städte
S wie … Spanien!

U wie Urlaub in Spanien

Als Kind habe ich mit meinen Eltern mehrmals Urlaub auf Teneriffa und Mallorca gemacht.
Einen Bezug zu Spanien habe ich damals aber keinen aufgebaut, vielleicht war ich einfach noch zu jung.

Wirklich bewusst bin ich mit Mitte zwanzig hierhin gereist, als ich für drei Wochen bei einer Tierschutzorganisation ausgeholfen habe.

Ich habe irgendwo in der Pampa zwischen Valencia und Alicante gewohnt, umgeben von Deutschen und Engländern.

Es gab deutsche Supermärkte, deutsche Metzger, deutsche Bäcker und so weiter.
Deutlich schwieriger zu finden waren einheimische Läden, weshalb ich mit Spanier kaum in Kontakt gekommen bin.

Die Landschaft, in der ich war, hat mich nicht vom Hocker gehauen und die gesamte Stimmung war irgendwie komisch.

Nach diesen drei Wochen stand für mich fest: das spanische Festland und ich sind keine Freunde geworden.

Im Jahr 2012 bekam ich dann in einer sehr schwierigen persönlichen Phase das Angebot, auf eine private Finca nach Katalonien zu ziehen.
Dort konnte ich Abstand zu meinen Problemen gewinnen, zur Ruhe kommen und mein Leben komplett neu sortieren.

Aber sollte ich wirklich nach Spanien ziehen?
In das Land, dessen Menschen ich beim letzten Besuch als so stolz und teilweise abweisend empfunden habe?

Da ich an einem Punkt war, an dem ich nichts zu verlieren hatte, habe ich den Schritt gewagt und mich auf das Abenteuer Spanien eingelassen.

F wie Freundlichkeit

Als ich hierhin gezogen bin, habe ich kein Wort Spanisch gesprochen.
Bei einem Besuch in einer Bäckerei wollte ich mir einmal ein Brötchen mit Käse bestellen, aber ich wusste nicht, was das heißt. Also habe ich am Ende ein Croissant gekauft – war auch lecker.

Trotz damals fehlender Sprachkenntnisse bin ich nicht einmal unfreundlich behandelt worden.
Jeder hat sich Mühe gegeben, mein Anliegen zu verstehen und mir zu helfen, vom Verkäufer im Supermarkt bis hin zum Friseur.

Genauso erlebe ich es auch jetzt noch.
Wir leben nun seit acht Monaten hier und inzwischen spreche ich ein bisschen besser Spanisch. Von richtig gut bin ich aber noch weit entfernt.

Das interessiert die Spanier aber nicht die Bohne. Sie hören so großzügig über Fehler hinweg, als hätte ich gar keine gemacht. Und als Belohnung gibt es oft ein munteres Schwätzchen obendrauf.

Geduldig sind sie auch, die Spanier. Warten beim Bäcker.

Geduldig sind sie auch, die Spanier. Warten beim Bäcker.

B wie buenos dias

Die Spanier sind ein grüßfreudiges Volk.
Vielleicht ist es in den großen Städten ein wenig anders, wie es in Ballungszentren oft der Fall ist. Ansonsten wird hier gerne gegrüßt und gewunken, worüber ich mich immer sehr freue.

Selbst, wenn wir im Niemandsland parken und dort übernachten, fahren Einheimische an uns vorbei und winken uns freundlich zu. Als wäre es das Normalste der Welt, dass mitten im Nichts ein riesiger roter Bus steht. Niemand, der sich aufregt und Theater macht, stattdessen südländische Gelassenheit.

Ob dies daran liegt, dass in Spanien nur halb so viele Menschen wie in Deutschland leben, dafür auf fast doppelt so viel Raum?

Kein Mensch weit und breit.

Kein Mensch weit und breit.

H wie Hilfsbereitschaft

Habe ich die Spanier damals als abweisend bezeichnet, kann ich das heute überhaupt nicht mehr behaupten. Im Gegenteil: Ich empfinde sie als äußerst hilfsbereit.

So zum Beispiel in Ronda, als wir in einem Schwimmbad fragen, ob wir dort duschen dürfen. Das ist oft zu einem vergünstigten Eintrittspreis möglich, häufig sogar umsonst.

In Ronda passiert mir im Schwimmbad das hier:
Der Kassierer rät mir,  ins benachbarte Sportzentrum zu gehen und dort nach José fragen. Er könne mir dann die Duschen zeigen und das sei umsonst.

Ich finde José, der mich durch die riesige Sportanlage führt und mir einen neu gebauten Umkleideraum aufschließt. Ein ganzer Raum mit zig Duschen nur für mich alleine!
Als ich 15 Minuten später frisch geduscht wieder vor Steve stehe, bin ich noch immer ganz begeistert davon.

War das eine Ausnahme?
Nein, keinesfalls.
Wenige Wochen später passiert uns Ähnliches in Teruel. Das öffentliche Schwimmbad hat wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, also schickt uns ein Mitarbeiter zum Uni-Sportgelände, wo wir ebenfalls umsonst duschen dürfen. Hilfsbereitschaft wird in Spanien groß geschrieben.

Wenn es keine Dusche gibt, springe ich auch ins Meer.

Wenn es keine Dusche gibt, springe ich auch ins Meer.

G wie Glücksfaktor

Spanien hat eine Gesamtfläche von 504.645 km² und knapp 47 Millionen Einwohner.
Im Vergleich dazu Deutschland: 357.167 km² und 81 Millionen Einwohner.

Weniger Einwohner auf mehr Fläche = weniger Stress!

Was sich nicht in Zahlen belegen lässt, sind die vielen glücklichen Momente und Erlebnisse, die ich in diesem Land erlebt habe.

Ob beim Klettern in Andalusien, beim Biken in Katalonien  oder dem Reiten in der Sierra de Albarracín – Spanien hat mich überrascht und ich habe mich von ihm überraschen lassen.

Deshalb bin ich umso mehr gespannt, was uns auf unserer weiteren Reise erwartet!

Die magische Sierra de Albarracín

Die magische Sierra de Albarracín

Was gefällt dir besonders gut an Spanien?

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Ich würde mich sehr freuen.

11 Kommentare

  1. Wie mutig, trotz Deiner Abneigung zum Land Spanien noch mal eine zweite Chance zu geben. Hat sich ja offenbar ausbezahlt 😉 Danke für den schönen Beitrag zu meinem Stadt-Land-Fluss-Spiel!

  2. Was für ein schöner Bericht und wie toll, in dieserm wunderschönen Bus durch Spanien zu reisen! Ich wünsche Dir noch viele schöne Begegnungen und bin gespannt auf weitere Berichte! 🙂 LG Monika

  3. Klasse Erfahrungsbericht und super Idee mal eine Tour mit so einem Bus zu machen 🙂

    Lieben Gruß

  4. Hella-Maria Schier

    Im Vergleich zu etwa dem fröhlichen unbekümmerten Italien und dem kultivierten Frankreich wirkt Spanien auf viele erstmal abweisender, bei aller Freundlichkeit reservierter oder rauher. Und ein bisschen rätselhaft. Ein bisschen archaisch und wild. Nicht so ganz europäisch.
    Das ist vielleicht der maurisch-arabische Einfluss in der Geschichte. 800 Jahre sind ja eine lange Zeit. Und man denke nur an den Stierkampf und die Inquisition und die grausamen spanischen Konquistadoren in Lateinamerika. Spanien hat, anders als Italien (trotz Erfindung der Mafia) oder Frankreich oder Griechenland das Image hart zu sein und zu Grausamkeit zu neigen, und das haftet ihm im allgemeinen Bewusstsein immer noch an. Das schwingt vermutlich bei so einigen immer noch mit, wenn deutsche Urlauber und Residenten zwar die Küsten überfluten und besetzen , aber das Inland kaum kennen, das ihnen „spanisch vorkommt“. Eine Folge der Geschichte, aber gerecht gegenüber dem Volk ist das natürlich nicht.
    Die Briten haben Spanien damals als Weltmacht abgelöst und, wie es dann üblich ist, die Sieger schreiben die Geschichte. So wurden alle tatsächlichen Grausamkeiten Spaniens von ihnen und den Nationen, die Spanien als große Weltmacht davor beherrscht hatte, nach seiner Niederlage noch ordentlich dramatisch ausgeschmückt und weit verbreitet. (Die Schwarze Legende).
    Die Briten selbst begingen danach als Kolonialmacht ebenfalls zahlreiche schlimme Verbrechen, aber da sie nie wirklich besiegt wurden, ist das nicht so im allgemeinen Bewusstsein verankert und so einige Dokumente darüber werden bis heute im Buckingham-Palast peinlich unter Verschluss gehalten. Sie werden nicht ihrem Nationalcharakter zugeschrieben, auch nicht die Grausamkeiten der Franzosen oder Portugiesen.
    So sieht man, dass es politische Propaganda schon immer gab und wie lange sie wirken kann.
    Viele Spanier sind daher empfindlich gegenüber Urteilen und Klischees über ihr Land, nehmen dann eine abweisend stolze Haltung an und wollen sich nicht reinreden lassen.
    So sind viele heute gegen den Stierkampf, ärgern sich aber trotzdem, wenn Ausländer sie dafür moralisch kritisieren. Und irgendwie hat es ja auch etwas Heuchlerisches, wenn jemand den moralischen Zeigefinger hebt, aber nichts gegen die Massentierhaltung im eigenen Land unternimmt (die es in Spanien außerdem nat. auch gibt), bei der die Tiere noch viel mehr und vor allem viel länger leiden, als der Stier, der vor seiner schmerzhaften letzten Stunde bis zu sechs Jahre lang ein schönes Leben führt, von dem ein Fleischrind nur träumen kann, das in seinem Massenstall keinen einzigen Tag wirklich lebt und nur als Fleisch gilt, während ein Kampfstier immer las Individuum wahrgenommen wird.
    Wir verstecken den Tod und das Elend der Tiere in unseren Industriearealen abseits der Wohngebiete und verdrängen es. Aber Grausamkeit wird nicht besser dadurch, das man wegschaut. Der Stierkampf ist das Gegenteil und provoziert uns deswegen. Er wird aber ohnehin immer mehr zurückgehen.
    Mich empört mehr, wie leider noch viele Spanier und andere Süd- und Ostländer mit ihren Haustieren umgehen. Aber auch dafür habe ich in Spanien schon diverse Gegenbeispiele gesehen, die sich hoffentlich mehren werden.
    Spanien steckt voller interessanter Widersprüche. Die strengste kirchliche Inquisition, aber auch die freiheitlichste Revolution (die Anarchisten in den 30ern) und heute die friedlichste und bunteste Protestkultur aus der auch die links-alternative Podémos hervorging, die heute schon Städte wie Barcelona und Madrid regiert. Und ausgerechnet das erzkatholische Spanien hat mit Skandinavien die tolerantesten Gesetze für Schwule und Lesben in ganz Europa. Je mehr man sich mit dem Land beschäftigt umso mehr wird man überrascht und beeindruckt. Von der Landschaft bis zu Kultur und Politik. Und das hat schon was.

    • Hallo liebe Hella,
      das ist ein hervorragender Kommentar, der an sich schon einen Beitrag wert wäre 🙂
      Ganz lieben Dank für die Zeit, die du dir hiefür genommen hast und die spannende Sichtweise, die ich vollkommen teile.

      Liebe Grüße
      Nima

  5. Hallo,

    und vielen Dank für die vielen wertvollen Anregungen und Mutmacher auf deiner Website, Nima!
    Zum Thema Spanien und Griechenland (und dem restlichen Europa): wie waren deine/eure Erfahrungen bezüglich Sprache? Kann man sich mit Englisch und einer kreativen Mimik/Gestik „durchwurschteln“?

    Danke und beste Grüße aus Holland,
    Janna

    • Hey Janna,
      Danke für deine schöne Rückmeldung 🙂
      Zu deiner Frage: In Griechenland kommst du mit Englisch – manchmal sogar Deutsch – sogar weiter als in Spanien. Wir hatten hier so gut wie nie ein Verständigungsproblem. Selbst, wenn jemand wirklich nur Griechisch spricht, sind die Leute sehr hilfsbereit und versuchen dich zu verstehen.
      Das ist zwar in Spanien auch so, aber die Spanier sprechen weitaus weniger – und oft schlechter – Englisch.
      Liebe Grüße
      Nima

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