Mit altem Hund auf Reisen, Teil 5

Mit altem Hund auf Reisen, Teil 5

Im letzten Teil der Serie lernt ihr Stuart Little kennen. Wer der kleine Kerl ist und was er in seinem hohen Alter noch alles erlebt, das verrät euch jetzt sein Frauchen Doreen.

Doreen, stell euch doch bitte einmal vor

Hi, ich bin Doreen! Ich reise mit meinem 14,5 Jahre alten Parson Russell Terrier Stuart Little und meinem Freund Carsten im Wohnmobil durch Europa.
Seit ich denken kann, bin ich im Vertrieb und Marketing zu Hause. Ich führe meinen Blog she is on the road againum anderen den Einstieg in das mobile Reisen näherzubringen und gebe Tipps, damit meine Leser die schönste Zeit des Jahres ordentlich genießen können.

Mein Freund Carsten ist in der Gastronomie zu Hause, kocht regelmäßig mit Sterne Köchen und bringt geschmackvolle Speisen auf unseren Campingtisch und die Blogkategorie Bordküche.

Mein Terrier Stuart lebt mit uns, seit er 12 Wochen alt ist. Bis zu seinem 10.Lebensjahr war er top gesund und wenig anfällig. Es gab immer mal Probleme mit seinem „bauchgrummelnden“ Hundemagen, aber ansonsten war/ist er eher robust, weshalb er bei uns auch schon mal „Robustus“ genannt wird.

Seit er 10 Jahre alt ist, gibt es leider ein Herzproblem, eine Mitralklappeninsuffizienz. Das bedeutet, dass eine Herzklappe nicht mehr richtig schließt und beim Abhören so ein „Ziehgeräusch“ entsteht. Ich war damit bei 2 privaten Kardiologen und habe 2 verschiedene Therapien, mit 2 völlig verschiedenen Medikamenten und 2 völlig anderen Therapieansätzen bekommen. Daraufhin bin ich in die Klinik am Kaiserberg in Duisburg zum Herzspezialisten gefahren und dort wurde mir gesagt, der Herzfehler sei noch nicht behandlungswürdig, müsse aber gut kontrolliert werden.

So gehe ich nun alle 4 Monate zum Ultraschall nach Duisburg und kontrolliere selbst mittels einer App die Herzschlag-Frequenz. Bei der Frequenz des Herzschlags sind sich übrigens alle Kardiologen einig. Sobald die Frequenz zu hoch wird, muss auf jeden Fall behandelt werden.

Seit letztem Sommer kommt noch dazu, dass mein kleiner Stui so langsam dement wird.
Jetzt fragt ihr euch bestimmt, wie man so etwas bemerkt, aber jeder, der eine demente Großmutter hat/hatte, kennt die Symptome. Ehrlich gesagt kommt mein Kleiner mir oftmals wie meine Oma Liselotte vor.

Manchmal steht er so da, schaut vor sich hin und bewegt sich kaum. Dann stupse ich ihn kurz an und zack – ist er wieder geistig anwesend. Das passiert so 10 Mal am Tag. Problematisch finde ich seine Unruhe. Problematisch für ihn, nicht für mich. Er läuft und läuft und läuft, gerne im Kreis und kommt nicht zur Ruhe. Zu Hause läuft er ja frei in der Wohnung, aber im Campingurlaub verdreht er sich vorzugsweise mit der Leine an der Markisenstange. Das ist dann schon anstrengend, weil ich ständig auf der Hut sein muss, ihn wieder zu befreien.

Die einzige Möglichkeit ihn dann zu beruhigen ist ihn ganz fest auf den Arm zu nehmen. Dann schläft er aber auch innerhalb von 5 Sekunden ein und schnarcht ganz tief. Das zeigt mir jedes Mal, wie „fertig“ er ist und dass er die Ruhe wirklich braucht.

So richtig frei laufen lassen kann ich ihn auch nur noch sehr selten. Am Strand, wenn kaum Menschen da sind, dann geht das schon mal. Er rennt halt manchmal, völlig aus dem Zusammenhang gerissen, in die falsche Richtung… Herr Seltsam eben…

Seit 2008 reisen wir mobil. Damals war noch Carstens alte Hündin Fienchen bei uns. Irgendwie sind wir immer mit alten Hunden unterwegs, deshalb ist das Altern der Hunde für uns nicht wirklich neu oder eine Herausforderung.

Fienchen war schon immer eine super Beifahrerin, Stui nicht so. Besser gesagt war für ihn auch schon das Autofahren eine absolute Katastrophe.

Unsere erste lange Womo-Tour ging nach Portugal. Eine Strecke dorthin beträgt über 3000 km. Die hat er, gefühlt, komplett auf meinem Schoß verbracht. Wir hatten damals noch ein wunderschönes altes Hymermobil von 1986. Es knarzte und krachte natürlich an allen Ecken und Kanten, hatte aber dafür neben dem Beifahrersitz noch richtig Platz für ein kleines Körbchen. Das haben wir dann später auf Sitzhöhe angehoben und so fühlte er sich auch neben mir, mit Körperkontakt natürlich, sicher genug um nicht mehr permanent zu zittern.

Inzwischen ist er ein spitzen-Beifahrer. Er sitzt vorne bei uns im PhoeniX Führerhaus, mittig und angeschnallt natürlich. Das Alter hat ihn entspannter gemacht. Er verschläft die Fahrtage einfach und freut sich am Abend über eine tolle Hunderunde an einer neuen Location.

Da wir, wie gesagt, schon immer mit alten Hunden unterwegs waren, änderte sich unser Reiseverhalten kaum.
Als Fienchen noch da war, konnten wir die Hunde abends eher mal im Womo lassen. Ausserdem waren unsere Mobile relativ klein und wendig, so dass wir damit quasi an jeden Strand kamen und „vorfahren“ konnten. So konnte die alte Setter – Dame morgens ihre erste Runde schon am Strand drehen. Seit Fienchen nicht mehr bei uns ist, reisen wir mit größerem Mobil und Motorrad – Stui begleitet uns häufig im Rucksack auf kleinen Strecken. Mal eben mit der KTM an einen entlegenen Strand – das klappt sehr gut.

Seit einem halben Jahr bleibt Stui nicht mehr wirklich gern allein im Womo. Wenn ich ihn gut ausgelastet habe und er dann völlig erschöpft in sein Körbchen sinkt, dann können wir auch mal eine Motorradtour ohne ihn machen, denn dann schläft er tief und fest. Aber das ist eben nicht planbar. Es kommt auch vor, dass er einfach keine Ruhe finden will und ich dann einfach nicht gehen kann.

Durch seine fortschreitende Erblindung kommt er mit Sonne/Schatten Episoden gar nicht mehr gut klar und wenn, wie jetzt im Herbst, die Sonne schon relativ tief steht, kann ich mittags mit ihm kaum unterwegs sein. So finden unsere gemeinsamen Hauptaktivitäten in den Morgenstunden und am Abend statt, was ungewöhnlich ist, denn normalerweise waren wir früher eher ab dem Mittag für mehrere Stunden unterwegs.

Portugal ist für uns, aufgrund der Hunde-Unfreundlichkeit, wirklich schwierig geworden, weswegen wir uns in diesem Herbst auch für Frankreich entschieden haben. In Frankreich kann Stui mit uns an den Strand, ins Restaurant und in jedes Strandcafé. Wir wählen unsere Plätze so, dass wir nah am Wasser sind und nur eine kurze Motorradtour ins Städtchen benötigen.

In Portugal wissen wir inzwischen, wo die nächste deutsche Tierärztin zu finden ist, in Südfrankreich mussten wir uns einfach durchfragen. Da wir in Südfrankreich sowieso nicht gerne frei stehen und den Hund im Womo lassen, bekommen wir die Infos zu den Tierärzten natürlich auf den Campingplätzen. Meine größte Angst ist, dass mal sowas wie ein Vestibularsyndrom (Schlaganfall) bei meinem Senior auftritt und wir dann nicht schnell genug Hilfe bekommen.

Dennoch möchte ich nicht darauf verzichten mit ihm zu reisen. Er hat so viel Freude am Strand, im Sand und im Meer, das kann ich ihm einfach nicht vorenthalten. Wobei ich oftmals schon denke, dass ihn diese häufigen Ortswechsel anstrengen. Andererseits hat er, auch an neuen Destinationen, schnell Lieblingswege und weiß auch ziemlich zügig wo es am Schnellsten zum Strand geht. Wichtig ist, dass ich ihm nach aufregenden Tagen einen ruhigen Folgetag gönne. Das tut mir, nach einem arbeitsreichen Jahr, aber ebenfalls gut.

Sollte Stuart unterwegs Schlimmeres passieren und wir nicht schnell genug Hilfe bekommen, so haben wir unsere gemeinsame Zeit wenigstens optimal zusammen genutzt.

Wenn man seinen Urlaub im Camper ordentlich plant und auf die Bedürfnisse seines Hundes abstimmt, dann ist es auch für den alten Hund die perfekte Art zu reisen. Er kann stets dabei sein, muss bei den Mahlzeiten nicht auf dem Hotelzimmer bleiben und man ist auch mal eben mit ihm „Gassi“ unterwegs, da Stell-und Campingplätze ja überwiegend im Grünen sind und nicht mitten drin in den Ortschaften. Man sollte daran denken, seinen Senioren genügend Ruhephasen zu gönnen und dann steht einem gemeinsamen, tollen Urlaub eigentlich nichts mehr im Weg.

Vielen Dank, Doreen, für die Einblicke in euer tierisches Zusammenleben.

Welche Reisen unternimmst du noch mit deinem Seniorenhund?
Schreib es mir in die Kommentare.

3 Kommentare

  1. Danke für den tollen Artikel
    Viele Grüße Wiebke

  2. Ich reise zwar nicht mit Hund, finde die Geschichte aber echt toll! Alles Gute euch und Stui noch viele erlebnisreiche schöne Jahre 🙂

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