Mit altem Hund auf Reisen, Teil 2

Mit altem Hund auf Reisen, Teil 2

Wie eine Tierärztin über das Reisen mit alten Hunden denkt, das habt ihr im ersten Teil der Serie erfahren. In den nächsten Artikeln lernt ihr andere Menschen kennen, die mit ihren liebenswerten Seniorenhunden unterwegs sind.

Den Anfang machen Tanja und Tizon – viel Spaß!

Tanja, erzähl doch mal wer du bist und was du machst.

Ich bin 37 Jahre alt und lebe, reise und arbeite seit Sommer 2015 im Wohnmobil. Die ersten 9 Monate war ich alleine mit meinem Hund Tizon (12) im selbst ausgebauten Ducato unterwegs. Dann habe ich meinen jetzigen Freund (und seinen Hund) kennengelernt, seither sind wir zu viert und mit zwei Fahrzeugen auf Langzeitreise – am liebsten im sonnigen Süden. Ich schreibe auf crosli.de und facebook.com.

Bitte stelle uns Tizon doch mal vor.

Tizon ist jetzt 12 1/2 Jahre alt, eine spanische Mischung – aus Galgo, Schnauzer und irgendwas. Ich habe ihn mit sechs Monaten vom Tierschutz bekommen. Als großer, schwarzer Hund waren seine Prognosen in Spanien nicht sonderlich gut, so dass die Helfer ihn aus der Tötung retten mussten.

Seit über 12 Jahren ist Tizon bei mir. Diverse Lebensabschnitte, Jobs, Beziehungen, Wohnorte usw. kamen und gingen, Tizon ist immer noch da. Nachdem er in den ersten 10 Jahren topfit war, kamen die Wehwehchen Schlag auf Schlag: Herzinsuffizienz (ist wieder weg), Tumor (ist rausoperiert), Prostata (mit Kastration gelöst), Hüftgelenksarthrose (wird nicht mehr besser), Nervenschaden (ist nie ganz weggegangen), grauer Star (wird zunehmend schlechter).

Hört sich tragisch an, aber es geht. Wenn die Kekstüte raschelt kann er plötzlich wieder mit einem Satz ins Wohnmobil springen, weniger motiviert geht das auch schonmal in Zeitlupe. Auch die Hitze steckt er gut weg, zumal er als Wasserrate sehr gut darin ist sich selbst Abkühlung zu verschaffen.

Was mit dem Alter und den zunehmenden Wehwehchen leider nicht besser wird ist seine Sozialverträglichkeit. Insbesondere wenn er das Wohnmobil vor Invasoren beschützen möchte kann das ganz schön nervig sein.

In welchem Alter hat Tizon das Reisen im Wohnmobil kennengelernt? Wie ist er mit der Umstellung zurechtgekommen?

Für ihn ist nur eines relevant: dass er mit dabei ist. So war beispielsweise auch das Autofahren schon immer ein Highlight für ihn: er durfte mit. Eine gute Grundvoraussetzung für den Umzug ins Wohnmobil.

Tizon und gerade sein Alter waren ausschlaggebend dafür, dass ich mich überhaupt für das Reisen mit dem Wohnmobil entschieden habe. Wir haben unser Zuhause immer mit dabei, müssen nicht in fremden Betten schlafen, können uns mit dem Wohnmobil mitten in die Natur stellen – und haben unsere Ruhe, wenn wir sie uns wünschen.

Ich habe keinerlei Wohnmobil-Vorerfahrung. Und doch war mir vorher schon klar, dass Tizon das gefallen würde – warum auch nicht. Er ist näher an mir dran, es gibt ständig neue Gassistrecken zu beschnüffeln, er ist immer mit dabei. Schon während der drei Monate, in denen ich meinen Ducato ausgebaut habe war er stets nahe dran, hat die Beifahrersitzbank zu seinen Lieblingsplatz auserkoren.

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Welche Vor- oder Nachteile bringt das Reisen mit altem Hund im Camper mit sich?

Ganz unabhängig vom Alter des Hundes: wenn du einen neuen Platz anfährst, dann schnappst du dir erstmal den Hund um die Gegend zu Fuß zu erkunden. Auch wenn du mal einen faulen Tag hast, das Wetter nicht optimal ist etc. bringt dein Hund dich zwangsläufig dazu, raus an die frische Luft zu kommen.

Auch ist gerade ein alter Hund eine tolle Möglichkeit, auf deinen Reisen mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Selbst, wenn du nicht der Typ bist der fremde Menschen einfach so anquatscht, man kommt immer wieder mit ihnen ins Gespräch. Tizons jugendliche Figur und seine grauen Haare lassen die Leute rätseln wie alt er wohl sein mag. Irgendwann kommen sie daher und fragen, schon entsteht eine Unterhaltung.

Ein Nachteil ist das territoriale Verhalten, das zuweilen etwas nervig ist – und im Alter irgendwie auch nicht besser wird. Wagt sich ein Mensch oder Hund zu nahe ans Wohnmobil ist direkt Alarm. In Gegenden mit freilaufenden Hunden ist das zuweilen etwas nervig.

Weitere Nachteile zeichnen sich ab: mit seiner schlechten Hüfte sind längere Wanderungen nicht mehr möglich, auch das Einsteigen ins Wohnmobil wird für ihn nicht einfacher.

Es kann ja immer sein, dass bei einem alten Hund gesundheitliche Probleme auftreten.

Wie bist du darauf vorbereitet bzw. hast du bestimmte Vorkehrungen getroffen? Was machst du, wenn du im Ausland unterwegs bist und evtl. kein Tierarzt in der Nähe ist?

Ich bin super schlecht vorbereitet – wir haben nichts im Haus, was man als Hundeapotheke bezeichnen könnte. Bisher konnte ich mir aber auch immer so behelfen. Es ist ja nicht so, dass ich keine 12 jährige Erfahrung darin habe meinen Hund wieder zusammen zu flicken. Glasscherbe in der Pfote, Fäden ziehen nach einer OP, Löcher im Fell nach einer Keilerei, oder wenn er seine Schnauze mal wieder zu tief in einen Ameisenhaufen gesteckt hat – normalerweise suche ich wegen sowas längst keinen Tierarzt mehr auf.

Wenn etwas anderes sein sollte: wir sind mit den Hunden nur in Europa unterwegs, eine Apotheke oder einen Tierarzt findet sich da immer irgendwo. Solange du Englisch kannst, das ein Tierarztbesuch im europäischen Ausland kein Problem – Englisch ist eine Wissenschaftssprache, und bis jetzt konnte ich mich immer mit Tierärzten verständigen.

Womit ich allerdings momentan konfrontiert bin ist, dass sein Medikament für die Hüfte in Portugal gerade nicht lieferbar ist, ich dieses daher aus Deutschland importieren muss. Also heißt es für die Zukunft: immer einen guten Vorrat anlegen.

Ich persönlich habe das Gefühl, dass das Reisen unsere Seniorinnen körperlich und geistig fit hält.

Wie empfindest du das?

Ich denke, das trifft generell auf das Reisen mit Hunden zu. Auch wenn du mal keinen Bock hast dich großartig zu bewegen: dein Hund möchte ausgelastet und unterhalten werden. Es soll ja Hunde geben, die 23h am Tag schlafen. Unsere gehören nicht dazu.

Gibt es körperliche Einschränkungen deines Hundes, die deinen Alltag beim Reisen beeinflussen?

Nein, noch nicht. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis wir eine Rampe zum Einsteigen bauen müssen.

Welchen Rat hast du für Leute mit einem alten Hund, die überlegen, mit ihm im Camper auf Reise zu gehen?

Macht euch nicht zu viele Gedanken – kein Hund ist aus Zucker.

Ich selbst hatte mir Sorgen darüber gemacht, wie es Tizon bei Temperaturen von über 40 Grad geht. Und war erstaunt, wie gut er die weggesteckt hat. Tatsächlich geht es ihm in der südeuropäischen Klimazone gesundheitlich deutlich besser. Ich möchte nicht wissen, wie sich seine Arthrose im klammen deutschen Winter bemerkbar gemacht hätte.

Die Lebensqualität meines Hundes hat sich durch unsere Reisen deutlich verbessert. Mehr Sonne, mehr frische Luft, mehr Bewegung, mehr Spaß. Alleine, dass wir mit dem Wohnmobil ständig an irgendwelchen Stauseen und Stränden rumstehen – für die Wasserratte Tizon sind das paradiesische Zustände.

Liebe Tanja, ich danke dir und hoffe, Tizon selber einmal treffen zu dürfen.

Im nächsten Teil lernt ihr Doreen mit ihrem 14,5 Jahre alten Parson Russel Terrier Stuart Little kennen.

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