Mit altem Hund auf Reisen, Teil 1

Mit altem Hund auf Reisen, Teil 1

13, 5 und 11,5 Jahre, so alt sind meine beiden Seniorinnen Luna und Jule. Ganze 26 Monate reisen sie inzwischen mit uns im Bus durch Europa. Was haben wir mit ihnen in dieser Zeit alles unternommen:

Während unser Jungspund Merle von Energie nur so strotzt, merke ich Luna ihr Alter inzwischen deutlich an. Ihre Hinterbeine verlieren zum Beispiel an Kraft. Deshalb helfen wir ihr beim Ein- oder Aussteigen aus dem Bus.

Bei unseren Gassirunden geht sie es gerne gemütlich an. Hier das passende Tempo für alle drei Hunde zu finden, ist manchmal eine Herausforderung.

Dazu kommt, dass Luna mittlerweile schlecht hört und genauso schlecht sieht. Wir dürfen sie daher nicht aus den Augen lassen und bleiben möglichst in ihrer Nähe.

All das gehört dazu, wenn ein Hund älter wird. Dabei ist es egal, ob ich in einer Wohnung oder eine Wohnmobil lebe.
Allerdings habe ich den Eindruck, dass das mobile Leben meinen Ömchen richtig guttut. Sie werden mit vielen neuen Eindrücken konfrontiert, das hält sie fit.

Und die unterschiedlichen Landschaften tragen dazu bei, dass sie körperlich gefordert werden. Ein Spaziergang im Sand ist etwas anderes als eine Wanderung in den Bergen.

Luna ist noch immer bei allen Ausflügen dabei

Reisen mit altem Hund: Ja oder nein?

Unterwegs haben wir einige Hundebesitzer getroffen, die mit ihren alten Vierbeinern unterwegs waren. Das hat mich auf die Idee gebracht, hierzu eine Themenreihe zu starten und andere Hundesenioren-Eltern zu befragen.

Den Anfang macht Heide Kauert-Wendland.
Sie ist Tierärztin mit einer eigenen Praxis in Königswinter bei Bonn.
Da sie eng mit einem Tierschutzverein zusammenarbeitet, der sich um rumänische Hunde kümmert, kennt sie sich mit den dortigen Infektionskrankheiten gut aus.

Heide lebt zusammen mit ihrer 13 Jahre alten Hündin Liar und hat mir ihr dieses Jahr Urlaub in Kroatien gemacht.

Heide mit ihrer Liar

Was es aus ihrer Sicht beim Reisen mit alten Hunden zu beachten gibt und noch mehr, das erfahrt ihr jetzt.

Fragen an eine Tierärztin

Oft werde ich gefragt, wie alt Luna denn in Menschenjahren sei. Das kann ich aber gar nicht genau beantworten.
Wie lässt sich das Alter eines Hundes ungefähr in Menschenjahren berechnen? Die Umrechnung, dass man es einfach mit sieben multipliziert, stimmt ja bekanntlich nicht.

Für die Umrechnung des Hunde- in Menschenalter gibt es verschiedene Tabellen im Internet.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Lebenserwartung mit zunehmenden Gewicht und Körpergröße abnimmt. Dies ist aber noch von so vielen anderen Faktoren abhängig. Ich selber bin kein Freund von Umrechnungstabellen, da ich in meiner Praxis immer wieder eines besseren belehrt werde. Würde ich mich daran halten, müsste ich einem Patienten, der laut Tabelle schon 97 Menschenjahre auf dem Buckel hat , aus logischer Sicht eine notwendige OP ersparen. Ist dieser Hund aber aus tierärztlicher Sicht topfit und besitzt auch sonst eine gute Lebensqualität, versuche ich, dem Alter nicht die Wichtigkeit zuzumessen.

Was sollte man aus deiner Sicht beachten, wenn man mit einem Seniorenhund auf längere Reise geht? Welche Vorbereitungen sind sinnvoll, was sollte man unterwegs beachten oder machen?

Man sollte sich auf jeden Fall erkundigen, welche Infektionen und Parasiten in dem zu bereisenden Gebiet zu erwarten sind.
Es gibt demnächst eine Broschüre von Parasitus Ex über die Krankheiten der verschiedenen Reisegebiete und wie man am besten vorbeugen kann.
Wie auch bei älteren Menschen nimmt bei Seniorenhunden mit zunehmendem Alter die Kraft des Immunsystems ab, wodurch die Prophylaxe z. B. durch Spot Ons, besonders wichtig ist.
Grundsätzlich sollten alle gängigen Impfungen nach Empfehlung der ständigen Impfkommission vorgenommen werden, wobei die Tollwutimpfung beim Passieren von Grenzen sowieso Pflicht ist.

Speziell beim  reisenden Seniorenhund sollte darauf geachtet werden, dass er weich und sicher liegen kann. Weniger Platz ist da manchmal besser als mehr, weil der Hund sich durch Anlehnen an weiche Begrenzungen sicher und geborgen fühlt und nicht zusehr durchgeschüttelt wird.

Es sollten ausreichend Pausen zum Trinken und Pippimachen eingelegt werden.  Viele ältere Hunde neigen zu Nieren- oder Leberproblemen und haben zusätzlich noch eine schwache Blase. Da ist es wichtig, viel zu trinken, was aber bei den Pippipausen berücksichtigt werden sollte.

Außerdem bieten die Pausen Gelegenheit, die steifen Knochen etwas zu bewegen und lockern. Je nachdem sollte der Hund auch während des Fahrens die Möglichkeit zum Trinken haben.
Für das ständige Ein- und Aussteigen ins Auto oder Wohnmobil ist in manchen Fällen eine Rampe sinnvoll, denn das Springen nach langen Ruhephasen kann für Hüfte und Rücken eine zu starke Belastung sein.

Besonders beim Reisen in warmen Ländern ist auf ein gutes Klima am Hundeplätzchen zu achten. Durchzug ist genauso schädlich wie zu hohe Temperaturen. Natürlich darf es nicht zu warm werden, insbesondere, wenn das Auto parkt.

Das Auto kann sich schnell aufheizen und zur lebensbedrohlichen Falle werden.

Jule gönnt sich ein Schlammbad

Welche Faktoren sprechen deiner Sicht gegen das Reisen, welche dafür?
Dies kommt ganz individuell auf den einzelnen Hund an.
Es gibt Hunde, die Autofahren hassen und dabei furchtbar gestresst sind. Manche leiden auch unter Reisekrankheit, sprich ihnen wird sofort übel, sobald das Auto sich in Bewegung setzt. Manchmal kommt auch alles zusammen.
Mit diesen Hunden würde ich von längerem Reisevorhaben Abstand nehmen, wenn es nicht unbedingt sein muss.
Andere Hunde fahren gerne, in guter Erwartung auf das bevorstehenden Ziel. Manche fühlen sich auch einfach wohl im Auto/ Bus etc. Hauptsache, sie können dabei sein.

Ich kann mir vorstellen, dass Hunde, die mit ihren Leuten ständig auf Reise sind, sehr glücklich sind, da sie mehr Zeit in „ihrem Rudel“ verbringen, als Hunde von „normalen“ Besitzern. Außerdem bieten ständig neue Landschaften Abwechselung und fordern die Tiere mental, was sie auch fit hält. Natürlich muss man die Ausflüge dem jeweiligen Fitness des Tieres anpassen.

Generell gibt es nichts gegen das längere Reisen einzuwenden, wenn der Hund außer den üblichen Alterserscheinungen nicht schwer krank ist. Trotzdem würde ich mich immer erkundigen, wo die nächstgelegene Tierarztpraxis ist, und die Nummer schon mal parat halten. Auch eine kleine Reiseapotheke gehört selbstverständlich ins Auto, insbesondere, wenn der Tierarzt nicht so schnell zu erreichen ist.

Ich freue mich über jeden Tag mit Luna

Du warst selber neulich mit Liar in Kroatien. Wie hat es ihr dort gefallen und was hast du bei großer Hitze gemacht, damit es ihr gut geht?

Faszinierend war Liars erste Begegnung mit dem Meer. Liar starrte in die Weite und sog die neuen Eindrücke förmlich in sich auf. Dabei sah sie aus, als lache sie über das ganze Gesicht.

Mit der Hitze hatte sie etwas zu kämpfen. Wir haben die Spaziergänge frühmorgens und abends gemacht.
Am Meer haben wir jeden Schatten ausgenutzt, den wir bekommen konnten, und natürlich immer ausreichend Trinkwasser mitgenommen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Reise ihr gut getan hat, und sie sogar aufgeblüht ist.

Hast du noch einen Tipp oder Rat für diejenigen, die gerne mit einem alten Hund reisen möchten?

Bitte an den EU-Impfpass denken 😉

Freundschaft

Buchtipps und Empfehlungen

Buchtipps*

Zubehör*

Unser weiteres Zubehör erfährst du in diesem Artikel „Unser tierisches Reisezubehör

Im nächsten Teil dieser Serie stelle ich euch Tanja von Crosli und ihren Hund Tizon vor.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht, mit einem alten Hund zu reisen?

 

*werbliche Links

2 Kommentare

  1. Hallo Nima,
    wir reisen schon länger mit unseren älteren Hunden in der Schweizer Bergen mit dem Wohnmobil. Wir wählen die Berge weil es da für die Hunde im Sommer schön kühl ist. Unsere Deutschen Schäferhunde sind 14 und 8 Jahre, und beide vom Tierschutz. Sobald das Womo vor unserem Haus steht sind beide sehr nervös, sie können die Abreise kaum erwarten. Wir machen alle 2 Stunden eine Pipipause und bewegen ihre „alten Knochen“. Im Womo hat es auch während der fahrt einen Wassernapf zum schlabbern. Wir übernachten meist auf den Passhöhen, da hat man aberds wunderbare Ruhe und kann die Hunde auch mal frei laufen lassen. Ohne unsere Hunde würde doch vieles fehlen. Liebe Grüsse aus der Schweiz Werner

    • Hallo Werner,
      14 Jahre ist für einen Deutschen Schäferhund echt schon ein hohes Alter. Toll, dass es den beiden so einen Spaß macht und sie noch so viel mit euch erleben dürfen 🙂 Die Berge sind tatsächlich ein ideales Ziel, um den warmen Temperaturen zu entkommen.
      Ich wünsche euch noch viele schöne gemeinsame Stunden.

      Liebe Grüße
      Nima mit den Omas Luna und Jule 🙂

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