Leben on the road, Serie Teil 1: 14m²

Leben on the road, Serie Teil 1: 14m²

Ihr wollt komplett in einem Bus leben?
Ist euch das nicht zu eng?
Geht ihr euch da nicht auf den Geist?

Solche und andere Fragen bekommen wir immer wieder gestellt, wenn wir von unserem Vorhaben erzählen, ab Herbst komplett im Horst zu leben.

Wir sind allerdings weder die ersten noch die einzigen, die sich für diesen Lebensstil entschieden haben.
Auch andere haben diesen Wunsch: Das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, sich frei zu fühlen und nicht an einen Ort gebunden zu sein.
Sie alle leben unterwegs, sei es in einem Bus oder LKW.

In der Serie „Leben on the road“ stelle ich euch sechs Personen/Paare vor, die schon im Bus oder LKW umherziehen oder es bald vorhaben – so wie wir.

14m² – Andreas und Claudia

Claudia und Andreas

Claudia und Andreas

„Hi, wir sind 14qm, das sind Andreas (50), Claudia (48) und ein 29 Jahre altes Wohnmobil. Ein Mercedes 608D, 6,5 t und 86 PS mit einer MABU Kabine und Massivholzausbau. Das ist reisen statt rasen.
Wir leben seit gut 15 Monaten in unserem Wohnmobil, das wir fast eineinhalb Jahre selber restauriert haben. Für nichts in der Welt würden wir unser Womo eintauschen.“
www.14qm.de

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in einem Bus zu leben?

Eigentlich durch das Internet. Wir waren es Leid, immer mit zwei 7.5 Tonnern umziehen zu müssen und wir wechseln gerne und immer häufiger den Wohnort.
Auf der Suche nach Tipps zum Thema Minimalismus stießen wir auf Seiten von Menschen, die im Wohnmobil lebten und da war klar, das ist es. Wie geschaffen, wir können unseren Wohnort und unsere Umgebung nach Belieben ändern.

Hinten

Warum habt ihr euch für einen Oldtimer entschieden?

Ich hatte in meinem Leben nur zwei Neuwagen und die waren ein absoluter Reinfall.
Danach entdecke ich die Liebe zu Young- und Oldtimer und fuhr Volvo 240, 5er BMWs und Mercedes Strichacht. Die alten Mercedes Transporter gefielen mir schon immer und ich war mit denen auch in meiner Zeit als hauptberuflicher Rettungsassistent unterwegs, auf Rettungs- und Notarztwagen. Keine Elektronik, kein Technik-Schnickschnack, der kaputt gehen könnte, leicht beherrschbare Technik, die man überall und selbst reparieren kann.

Worin unterscheidet sich das Leben im Bus zum Leben in einer Wohnung/einem Haus? Gibt es etwas, das ihr vermisst?

Ein ganz klares Nein, wir vermissen nichts.
Wir wundern uns selber ein wenig. Aber nichts kann uns den Kick des ständigen Unterwegsseins ersetzen. Im Gegenteil, wir sind mit dem weniger an Besitz zufriedener.

Und das Beste?
Der Hausputz, geht schnell, sind ja keine 100 m² oder mehr.
Und wir leben automatisch nachhaltiger, wir gehen sparsamer mit Wasser und Gas um, weil es ja nicht unendlich verfügbar ist. Es muss immer wieder besorgt werden.

Ein abgeschiedener Stellplatz

Ein abgeschiedener Stellplatz

Wo seid ihr überwiegend unterwegs?

Im Moment noch im Karlsruher Raum, außer wenn Claudia Urlaub hat, dann sind wir in ganz Deutschland, in Frankreich und in unserem derzeitigen Traumland, den Niederlanden unterwegs.

Ende März hört Claudia auf zu arbeiten, dann ist der Mittelpunkt das Rhein-Main-Gebiet und der Aktionsradius wird wesentlich größer, so ca. 400 km bis 500 km.
Bei Problemen mit der IT meiner Kunden muss ich ja relativ schnell vor Ort sein. Bei guter Planung und ohne Notfälle können wir dann fünf Tage unterwegs sein und arbeiten an zwei Tagen meine Kunden ab. In ca. 2 Jahren, wenn unsere Kinder fertig studiert haben, können wir dann richtig los. Im Moment finanzieren wir das Leben unserer Kinder .

Unser Traum ist zuerst eine Reise entlang der Küste von Schweden bis Griechenland. Über Dänemark, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal und so weiter. Wie lange diese Reise dauern wird wissen wir nicht, aber es wird lange sein.

Welchen Rat würdet ihr jemanden geben, der mit dem Gedanken spielt, für längere Zeit in einem Bus zu leben?
Worauf kommt es an – in Bezug auf das Leben auf Rädern als auch auf das Gefährt?

Das Wichtigste: Der Partner muss passen!

Wir hören eine Aussage immer wieder: „Wie könnt Ihr Euch den ganzen Tag ertragen? Wie kann man auf so engem Raum miteinander leben? Ich könnte das nicht, das gäbe Mord und Totschlag.“
Bei vielen Paaren fragen wir uns mittlerweile, warum die überhaupt geheiratet haben. Wir können ohne Probleme für Tage irgendwo im Nichts stehen und brauchen niemanden zu sehen.

Man sollte abenteuerlustig und flexibel sein. Und man sollte Fünfe auch mal gerade sein lassen können. Vielleicht sollte man nicht unbedingt zwei linke Hände haben, damit man sich im Notfall selber helfen kann.

Ich habe, was das Gefährt und das Wohnmobil angeht, meine eigene Philosophie: So einfach wie möglich. Zum Beispiel eine manuelle Trittstufe statt einer elektrischer Trittstufe. Segeltuch statt Markise. Wo nichts ist, kann nichts kaputt gehen. Kein Kaffeevollautomat, nicht einmal eine Kaffeemaschine und keine Mikrowelle.

Wir leben nicht für Dinge, wir leben für Eindrücke und Erlebnisse.

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17 Kommentare

  1. Hi Nima,
    Das ist ein richtig tolles Interview mit zwei symphatischen Vagabunden! „Der Partner muss passen“ – das können wir nur unterschreiben, gerade bei solch einem Unterfangen! Tolle Grundeinstellung von den Beiden, gerade auch was die Grundphilosophie zur Einfachheit angeht!

    Ich bin gespannt, was für tolle Interviews hier noch zu dem Thema kommen!

    Liebe Grüße vom Rhein,
    Micha

    • Hey Micha,
      freut mich, dass es dir gefällt! Mir hat es auch großen Spaß gemacht, die Antworten von den beiden zu lesen – einfach durchweg sympathisch 🙂
      Liebe Grüße (noch) aus Bayern…
      Nima

  2. Deine Idee zur Interviewreihe finde ich wirklich toll Nima und ich drücke Euch ganz fest die Daumen das ihr sobald wie möglich mit Horst losreisen könnt.

    Es ist wirklich interessant zu lesen wie man auf 14 qm zusammen wohnt.
    Tobi und ich ziehen ja jetzt in eine 44 qm Wohnung (mit Lemmy und Iggy) und da haben auch schon total viele gefragt, wie wir das nur machen. Aber 44 qm sind ja nochmal ein ganzes Stück mehr als 14 qm 🙂

    Ich freue mich noch mehr von so tollen Menschen zu lesen.

    Liebe Grüße und drücker an alle 🙂
    Anna

    • Hola liebe Anna,
      44m² sind ja wirklich ein Palast 😉
      Wir leben aktuell auch „nur“ in einer 1-Zimmer-Wohnung auf 48m² und sind es gewohnt, auf kleinem Raum miteinander auszukommen. Zukünftig wird zwar der Wohnraum kleiner, dafür werden wir aber viel mehr draußen sein.
      Euch alles Gute für eurem Umzug und tierische Grüße
      Nima

  3. Schöner Bericht

  4. Hallo, finde Euren Beitrag Klasse! Ihr sprecht mir aus der Seele!
    M.f.G. Oddo

  5. Hallo Nima,
    meine Frau (50) und ich (53) leben seit dem 1.Juni 2014 in unserer Tiffy. Wir haben die Wohnung aufgegeben um das Geld zu Sparen, damit wir in ca.4 Jahren aus dem Berufsleben aus steigen zu können und die Welt kennen zu lernen. Bisher sind wir uns in unserem bescheidenen Heim noch nicht auf die Nerven gegangen…Und man glaubt es kaum…es schweißt auch zusammen…Es ist einfach ein herrliches Gefühl, in der freien Natur zu stehen und keiner geht einem auf den Keks….

    Gruß
    Joachim

    • Hey Joachim,
      es ist beeindruckend, wie viele Menschen sich für diesen Lebensstil entscheiden – gemischt aus allen Altersklassen. Und das mit dem herrlichen Gefühl kann ich absolut nachvollziehen 🙂
      Euch weiterhin eine gute Zeit mit Tiffy und gutes Gelingen für eure Pläne
      Nima

  6. Hallo,
    kenne die beiden und muss sagen das Interview passt!
    Schön geschrieben und recht haben die beiden.
    Gruß
    Olli und Ulli

  7. Spannendes Thema! Und definitiv ein Denkanstoß, der mir sehr gut gefällt. Wir werden dieses Jahr evtl. auch einen Versuch dazu starten für eine längere Reise, bin gespannt 🙂

  8. Hi, habe Euer Womo wiedererkannt. Mein Vater und ich sind die beiden, die Euer Wohnmobil vor 29 Jahren geplant und gebaut haben. Schön, dass es immer noch gefahren und bewohnt wird. Würden uns freuen, von Euch zu hören.
    Gute Fahrt

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