Leben on the road, Serie Teil 6: Keine Eile

Leben on the road, Serie Teil 6: Keine Eile

Den (vorläufigen) Abschluss der Serie Leben on the road macht Steffi von www.keine-eile.de.

Sie lebt bereits sechs Jahre in einem LKW, zusammen mit ihrem Mann Olaf und ihrer Hündin Lucy.
Ich habe Steffi über das Bloggen kennengelernt. Zu dieser Zeit haben wir uns gerade mit dem Thema Bus kaufen beschäftigt und umso mehr hat mich ihre Geschichte interessiert.

Mein Name ist Steffi. Zusammen mit meinem Mann Olaf und unserer Hündin Lucy wohne ich in einem ausgebauten LKW mal hier mal da – meistens dort.

Bevor wir zum „Leben auf Rädern“ kamen, sind wir mit dem Fahrrad gereist. Davor lebten wir in einem Haus, hatten ganz normale Jobs – ich bei einer Bank und Olaf in einer Fabrik – der ganz normale Wahnsinn…

Auf unserem Blog keine-eile schreiben wir über das Leben im Wohnmobil und Reisen mit dem eigenen Fahrzeug.

Steffi genießt die Natur
Steffi genießt die Natur

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in einem LKW zu leben?

Dass wir heute in einem LKW wohnen, war keine bewusste Entscheidung. Es hat sich einfach so ergeben.

Wir kamen 2008 von einer längeren Radreise durch Thailand und Laos zurück und fanden zunächst Unterschlupf bei meiner Oma.
Dort entstand der Plan, als nächstes Europa erkunden zu wollen. Den Sommer wollten wir in Deutschland verbringen, also war der Winter unsere Reisezeit.

So entschieden wir uns, nicht mit den Fahrrädern zu fahren, sondern kauften uns einen VW Bus.
Mit dem fuhren wir bis nach Marokko. Dort freundeten wir uns irgendwie mit der Idee an, zurück nach Deutschland zu fahren, uns ein größeres Auto zu besorgen und wieder loszufahren.

Das ist jetzt fast 6 Jahre her. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

Leben auf Rädern

Warum habt ihr euch für einen Oldtimer entschieden?

Bewusst für einen Oldtimer haben wir uns nicht entschieden. Wir haben uns nicht gesagt: „Wir kaufen einen Oldtimer!“

Doch als wir so das Internet nach möglichen Fahrzeugen durchforsteten, ist uns aufgefallen, dass alte Autos nicht so teuer sind, wie neue Autos.
Und dass gerade die Fahrzeuge in denen es noch keine Elektronikbauteile gibt, sehr viel weniger störanfällig sind.

Je weniger dran ist, je weniger kann kaputt gehen.

Die Technik an einem alten Fahrzeug ist übersichtlich, auch für Laien verständlich, und viel lässt sich selbst reparieren.

Ein Oldtimer hat auch Nachteile.
Die Versorgung mit Ersatzteilen kommt so langsam ins Stocken, das wissen die Händler natürlich auch und so werden die Teile auch immer teurer.

Leben auf Rädern

Worin unterscheidet sich das Leben im LKW zum Leben in einer Wohnung/einem Haus? Gibt es etwas, das ihr vermisst?

Unser Leben findet viel draußen statt.
Nicht nur, dass wir uns viel draußen aufhalten, auch dadurch, dass uns keine dicken Mauern von der Außenwelt trennen, bekommen wir zum Beispiel vom Wettergeschehen viel mehr mit.

Der Umgang mit Ressourcen ist auch ein völlig anderer.
Während in der Wohnung der Strom aus der Steckdose und das Wasser aus der Leitung kommt, müssen wir selbst dafür sorgen, dass Strom, Wasser und Gas in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Das führt dazu, dass wir sehr viel weniger davon verbrauchen, als jeder Wohnungshaushalt.

Gerade jetzt im Winter vermissen wir es, Platz zu haben.
Da das Draußen wegfällt, wird der Raum, den wir zum Leben haben, doch recht übersichtlich. Wir wohnen auf 9 Quadratmetern (2 Erwachsene, 1 Hund). Da gehört sehr viel Selbstdisziplin dazu.

Was wir auch oft vermissen, ist ein Platz nur für uns.
Ein Platz wo wir sein dürfen. Das Leben im Wohnmobil ohne einen eigenen Stellplatz, findet in der Öffentlichkeit statt. Das ist auf Dauer ziemlich anstrengend und ist wohl der Aspekt, der uns am meisten stört. Einerseits genießen wir die Freiheit des Reisens und Unterwegsseins. Andererseits würden wir auch gerne mal irgendwo ankommen und die Tür hinter uns zuziehen.

Hündin Lucy genießt die Freiheit
Hündin Lucy genießt die Freiheit

Wo seid ihr überwiegend unterwegs?

Wir pendeln zwischen Brandenburg und der Algarve in Portugal.
Den Sommer über sind wir gerne in Norddeutschland unterwegs und im Winter zieht es uns ins Warme.

Welchen Rat würdest du jemanden geben, der mit dem Gedanken spielt, für längere Zeit in einem Bus oder LKW zu leben?
Worauf kommt es an – in Bezug auf das Leben auf Rädern, aber auch das Gefährt?

Probiere es aus.

Das ist der einzige Rat, den ich geben kann. „Erfahrungen sind maßgeschneidert, sie passen nur dem, der sie macht.“

Ich denke, nur wenn du etwas selbst gemacht hast, kannst du wissen, ob es dir gefällt.

Ein Anfang wäre es, dir übers Wochenende, oder im nächsten Urlaub ein Wohnmobil zu leihen und damit herumzufahren.

  • Wo kann ich parken?
  • Wo kann ich übernachten?
  • Wie komme ich mit der kleinen Küche klar?
  • Oder mit der Toilette?
  • Wie läuft das mit dem Strom-, dem Wasser-, dem Gasnachschub?

Du könntest dich in deiner Wohnung auf das Leben in einem einzigen Zimmer beschränken, am besten dem kleinsten.
Du könntest anfangen, dich von allem überflüssigen Besitz zu trennen und zu schauen, wie es dir damit geht. Im Bus/LKW gibt es nämlich nur noch wenig Platz für Dinge.

Entscheidend ist deine Einstellung zum Leben auf Rädern.
Ob du die Freiheit lieben wirst oder dich durch den wenigen Platz eingeschränkt fühlst. Ob du ein großes oder ein kleines Fahrzeug brauchst. Ob es ein altes oder ein neues Gefährt sein soll.

Es gibt Leute, die sind mit einer Ente um die Welt gereist und es gibt Menschen, die leben in Häusern mit 50 Zimmern.

Am Ende kommt es auf deine Einstellung und deine Ansprüche an. Also, probiere es aus!

Leben auf Rädern

 Zu den bisherigen Interviews:

Leben on the road, Serie Teil 1: 14m²
Leben on the road, Serie Teil 2: Rumtreiberin
Leben on the road, Serie Teil 3: Amumot
Leben on the Road, Serie Teil 4: Runterwegs
Leben on the road, Serie Teil 5: Herman unterwegs

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8 comments

  1. Hallo 🙂
    dass das Leben im Wohnmobil so an der Öffentlichkeit stattfindet, war mir vorher nicht bewusst.
    Bei unserem Blogger-Treffen letztes Wochenende in Bremen hat Steffi uns davon noch erzählt. Nie richtig die Tür hinter sich zumachen zu können und keinen geschützten Raum zu haben, muss man echt wollen.
    Ich glaube, dauerhaft wäre das nichts für mich.

    Lieben Gruß
    Linda

    • Hallo Linda,
      das stimmt – damit muss man wirklich zurechtkommen und ich musste auch erst lernen, dass mir beim Duschen vielleicht Leute zusehen 😉
      Geht alles, aber Steffi hat absolut recht: Es kommt auf die Einstellung an und nicht jeder hat dazu Lust.

      Liebe Grüße
      Nima

  2. Hi!
    Wieder ein toller Beitrag der Leben on the road Serie! Danke.
    Schade, dass es erst einmal der letzte ist.
    Ich konnte viele hilfreiche Infos für unsere Zukunftspläne im Womo mitnehmen und habe auch schon den ein oder anderen Tipp umgesetzt. Was ich für mich mitnehme ist, dass man offen für dieses Leben sein muss, offen den Menschen gegenüber, die man trifft und offen für Neues. Du musst dich den Dingen erst stellen um zu wissen ob du sie liebst oder eben nicht. Und das werden wir tun 🙂
    Allen noch eine gute Fahrt und viele Abenteuer!

    LG Silke

    • Hola Silke,
      wer weiß, vielleicht seid ihr die nächsten, die ich interviewe 😉
      Unsere Daumen für eure Suche nach dem passenden Gefährt sind fest gedrückt!
      Liebe Grüße
      Nima

  3. Hallo Ihr Zwei!

    Das mit der Öffentlichkeit ist ja nur ein Aspekt des “Lebens auf Rädern”. Zu lösen wäre es, mit einem festen Stellplatz. Aber das Unterwegssein ist eben auch sehr verlockend…

    🙂

  4. Was, die Serie ist schon rum? Na hoffentlich tauchen da im Lauf der Zeit noch ein paar Interviewpartner auf 🙂 Denn die Geschichten sind alle sehr spannend.

    Vielen Dank dafür!

    • Dir vielen Dank für dein Feedback! 🙂
      Ich würde mich auch freuen, wenn die Serie weitergeht und bin schaue mich fleißig nach Interview-Partnern um.

      Liebe Grüße
      Nima

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