Klettern in El Chorro – die Tops und Flops

Klettern in El Chorro – die Tops und Flops

Was Siurana für Katalonien, ist El Chorro für Andalusien – beide zählen zu Spaniens bekanntesten Klettergebieten!
Sie liegen ungefähr 1200km voneinander entfernt und sind komplett unterschiedlich, sowohl landschaftlich als auch in Bezug auf das Klettern.

Im Dezember vor drei Jahren habe ich vier Wochen lang in der Climbing Lodge von Grit und Tobi gearbeitet. Das war eine tolle Zeit, in der ich fast jeden Tag geklettert bin und große Fortschritte gemacht habe. Mein erster 6a Vorstieg, eine Mehrseillängentour, Angstbewältigung beim Platten-Klettern und und und … ich gerate heute noch ins Schwärmen!

Idylle auf dem Weg zu einem Sektor

Idylle auf dem Weg zu einem Sektor

Schauen wir doch mal, welche Tops und vielleicht auch Flops dich dort erwarten.

Top-Gründe, weshalb du zum Klettern nach El Chorro fahren solltest

1. Du bist ruckzuck da
Die Anreise nach El Chorro ist wirklich leicht: einfach einen Flug nach Málaga buchen und von da mit dem Mietwagen weiter bis El Chorro (ca. 60km).
Zu einem Mietwagen rate ich dir schon, denn El Chorro liegt recht abseits und alleine das Einkaufen ohne Auto ist umständlich. Wenn dir ein Mietwagen zu teuer ist, kannst du El Chorro von Málaga aus auch mit dem Zug erreichen. Von Málaga fährt einmal täglich ein Zug direkt bis nach El Chorro, ansonsten fährst du bis Álora und steigst dort um. Hier geht es zur Fahrplanauskunft.
Nach Málaga gibt es übrigens immer wieder sehr günstige Flugangebote, da lohnt sich das Vergleichen!

2. Klettern, Klettern, Klettern
In El Chorro kann man vor allem eines machen, nämlich klettern. Der Ort selber ist sehr klein und hat – außer dem Klettergebiet – nichts zu bieten. Es gibt zwei winzige Läden, in denen du dich mit den notwendigsten Lebensmitteln versorgen kannst und es gibt einen Klettershop.
El Chorro zählt zu den größten europäischen Klettergebieten. Hier hast du also ausreichend etwas zu tun! Auf dem Blog von Markus Stadler bekommst du gute Infos zu den Sektoren. Diese sind recht unterschiedlich und haben alle ihren eigenen Charme. Und auf dieser Seite der Climbing Lodge kannst du dir sogar Topos downloaden, ein super Service!

Fast wie in Österreich

Fast wie in Österreich

3. Ganz leicht bis unglaublich schwer
El Chorro ist für Kletterer jeder Könnensstufe geeignet. Während du in Siurana leichte Routen durchaus suchen musst, ist die Auswahl in El Chorro groß. Hier kannst du prima trainieren und dein Können in kurzer Zeit steigern. In der Nähe der Climbing Lodge liegen übrigens zwei Sektoren, in denen es sehr schöne Anfängerrouten im 3ten bis 6ten Grad gibt.

4. Es geht hoch – oder lange- hinaus
Lust auf eine Mehrseillängentour? Auch das ist machbar. Ich habe damals eine Tour gemacht, die über 5 Seillängen ging und sich immer im 4er/5er Bereich bewegt hat. Lediglich die letzte Seillänge war eine 6a. Wenn dir dieses letzte Stück zu schwer ist, kannst du es problemlos auslassen.
So eine Mehrseillängentour ist eine schöne Sache und hier kannst du es entspannt ausprobieren.

5. Klasse Platten
Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Ort Valle de Abdalajís mit einem Sektor. In wenigen Gehminuten bist du vom Auto am Fels und da erwartet dich Plattenkletterei. Klettertechnisch eine nette Abwechslung zu El Chorro und in Bezug auf den Ort auch. In Valle de Abdalajís gibt es mehrere kleine Lebensmittelgeschäfte, Bars, einen Obst-und Gemüseladen, einen Bäcker, etc.
Nach dem Klettern kannst du dich also noch auf `nen Drink in ein Café setzen und den Tag in andalusischer Gelassenheit ausklingen lassen.

6. Der berüchtigte Caminito del Rey
Als gefährlichster Wanderweg Europas wird er bezeichnet, der Caminito del Rey.
Mit dem Nervenkitzel ist es seit seiner Restaurierung vorbei, aber die grandiosen Ausblicke gibt es in der Schlucht natürlich weiterhin.
Vor drei Jahren bin ich den alten Caminito noch selber gegangen und schildere dir meine Eindrücke in diesem Artikel: Ein königlicher Klettersteig.

7. „Hola, me llamo…“
In El Chorro kann man unter sich bleiben, muss es aber nicht. Es gibt lokale Treffpunkte für Kletterer wie zum Beispiel die Bar am Bahnhof. Dort triffst du bunt gemischtes, internationales Kletter-Publikum an. Das gleiche gilt für die Unterkunft Finca La Campana. Hier wird schonmal gerne gefeiert. Die Finca ist weniger geeignet für einen ruhigen Urlaub, aber ideal, um Leute kennenzulernen.

8. Viele Übernachtungsmöglichkeiten
Camping, Wildcampen, Zimmer, Ferienwohnung oder Ferienhaus – hier gibt es was für jeden Geldbeutel! Da El Chorro in den Hauptreisezeiten wie Ostern oder Weihnachten als Kletterziel sehr beliebt ist, solltest du dich rechtzeitig nach einer Unterkunft umsehen.
Wenn du es dir gutgehen lassen möchtest, emfehle ich dir die Climbing Lodge. Tobi und Grit sorgen mit großem Engagement dafür, dass sich die Gäste wirklich wohlfühlen und aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass ihnen das gelingt. An kalten Winterabenden kannst du dich abends sogar in der hauseigenen Sauna wieder aufwärmen! Schau dich mal auf Ihrer Seite um: www.klettern-in-spanien.de

Wir haben wildgecampt und zwar am See „Embalse del Conde de Guadalhorce“. Das ist ca. 15 Minuten mit dem Auto entfernt und hier hat uns niemand gestört. Du findest bestimmt auch in El Chorro ein Fleckchen, aber das hängt von der aktuellen Besucherzahl ab. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, würde ich einfach ein wenig weiter fahren. Wir haben versehentlich am See vor einer Art Bauernhof gecampt, was wir im Dunkeln gar nicht gesehen haben. Der Bauer war aber sehr nett und hat uns sogar gefragt, ob er mit seiner Schafherde an uns und den Hunden vorbeigehen könne.

8. Lust auf Natur oder Kultur
Im Umkreis von 200km gibt es einige Städte, die sich für einen Ausflug anbieten. Eine Stunde entfernt liegt die kleine Stadt Ronda, die durch eine 100m tiefe Schlucht geteilt wird und eine spannende Kulisse bietet. Obwohl Ronda recht touristisch ist, hat es dennoch Charme und hat mir gut gefallen. Zwei Stunden entfernt liegen Granada oder Sevilla, die sich auf jeden Fall für einen Tagesausflug lohnen.
Wenn du mal nicht klettern möchtest, hast du zahlreiche Alternativen: Mountainbiken, Wandern, Reiten, Enduro-Fahren, Paragliden oder sogar Skifahren in der Sierra Nevada!

9. Hier geht`s heiß zu
El Chorro ist ein ideales Winterklettergebiet. Während es in Deutschland nass, kalt und grau ist, hast du hier auch im Dezember tagsüber um die 20 Grad. Zum Klettern ist das perfekt – nicht zu heiß, nicht zu kalt!
Solltest du El Chorro aber im Sommer auf deinem Kletter-Reiseplan stehen haben, wirst du ganz schön ins Schwitzen kommen. Bei Temperaturen um die 40 Grad und sengender Sonne ist das Klettern tagsüber unmöglich.

10. Hier könnte dein Top-Grund stehen
Welcher Grund fällt dir ein, warum sich ein Trip nach El Chorro lohnt?

Flops – das gefällt mir weniger

1. Achtung Schlaglöcher
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, heißt es aufpassen! Die Straßen sind zum Teil durch Unwetter in einem üblen Zustand. Aus einem einfach Schlagloch wird hier schnell ein Schlagkrater.

2. Es ist so heiß…
Mir als Sonnenjunkie macht Hitze eigentlich nicht viel aus, aber in El Chorro bin sogar ich im September geschmolzen. Ich hatte das Gefühl, es gibt nirgendwo auch nur einen winzigen Schattenplatz. Die einzig sinnvolle Tätigkeit war Nichtstun! El Chorro ist wirklich ein reines Winter-Klettergebiet, durchgehend von Oktober bis April.

3. Tristesse
Das Dorf El Chorro gefällt mir nicht, da gibt es deutlich schönere Orte in Andalusien. Der Reiz geht definitiv vom Camino del Rey, der Landschaft und den Klettermöglichkeiten aus, nicht vom Dorf.

4. Dein Flop?
Was hast du als negativ empfunden, auf das du andere hinweisen möchtest?

Fazit:
Ja, El Chorro ist eine Kletterreise wert und zwar uneingeschränkt. Mit einem Auto hast du viele Möglichkeiten, Andalusien zu entdecken  landschaftlich und kulturell. Ohne Auto beschränkt sich dein Aufenthalt vermutlich auf das Klettern, aber auch da kommt mit Sicherheit keine Langeweile auf!

Welche Tops und Flops dich in Kataloniens Klettergebiet Nummer 1 erwarten, habe ich dir in diesem Artikel zusammengestellt: Klettern in Siurana – die Tops und Flops

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9 Kommentare

  1. Toller Beitrag über El Chorro, den ich uneingeschränkt so bestätigen kann.
    Damals war es auch noch möglich durch den Bahn-Tunnel zu laufen, um zu den dort gelegenen Klettersektoren zu kommen.

    Ich habe gehört, dass es da jetzt drakonische Strafen geben soll, wenn man beim Durchlaufen erwischt wird.

    • Hallo Hartmut,
      es freut mich, dass dir der Artikel gefällt.
      Das mit den Strafen kann ich mir gut vorstellen, da sind ja auch schon einige böse Unfälle passiert.

      Mal schauen, wie sich die Situation dort entwickelt…

      Herzliche Grüße
      Nima

    • Hallo Hartmut,

      es sind Schilder angebracht, die mit einer Strafe von 6000 Euro drohen bei Begehung des / der Tunnel.
      Wir hatten es damals gemacht (2008) und wir waren nicht die einzigen. Ich hatte den Eindruck, das kümmert keinen Menschen. Der erste Tunnel ist nicht gefährlich da massig Platz zu den Gleisen. Es fahren aber regelmäßig Züge

      Ich denke, es gibt Alternativen zu den Tunnel

      Gruß Björn

  2. Hallo zusammen,

    wirklich toller Bericht, danke dafür;)

    Meine Freundin und ich werden uns das Ganze im März mal für 16 Tage aus der Nähe angucken…
    Überlegen noch, ob wir uns am Campingplatz in El Chorro niederlassen oder auch einfach wildcampen sollen, z.B. an dem o.g. See.
    Habt ihr euer Zelt jeden Tag auf- und abgebaut oder einfach dort stehen lassen?
    Und kann mir eventuell jemand einen aktuellen Kletterführer empfehlen? Kenne nur den von Rockfax aus 2008.

    Danke vorab und beste Grüße
    Joshua

    • Hey Joshua,
      wir waren damals im Auto unterwegs und haben auch darin geschlafen. Die einfachere Variante mit Zelt ist es wahrscheinlich, dort auf den Campingplatz zu gehen, aber auf der Webseite steht noch immer (oder schon wieder), dass er bis auf Weiteres geschlossen sei.
      Ansonsten könnt ihr aber auch mal hier nachfragen: Finca La Campana.
      Stehenlassen würde ich das Zelt beim Wildcampen nicht, da es ja offiziell nicht erlaubt ist.

      Topos zu El Chorro könnt ihr euch bei der Climbinglodge downloaden http://www.klettern-in-spanien.de/Topo-Download.101.0.html
      Da stehen auch weitere Infos zu aktuellen Kletterführern 🙂
      Liebe Grüße und eine Menge Spaß
      Nima

  3. servus! mein kumpel und ich waren vor ein paar jahren in el chorro. sehr zu empfehlen ist das refugio, wo man für nen kleinen taler immer eiskaltes grande cerveza und lecker hamburguesa conquesa (ich glaube so hieß das) bekommt. bier und burger. es empfiehlt sich mal gegenüber auf der pipeline hochzulaufen (ja, das geht, nur auf die geierkacke aufpassen). danach sind wir oben auf den berg zu dem kleinen häuschen gewandert, welches an ein mafia clubhaus erinnert…geiler ausblick, inkl. einen noch warmen, frisch gestorbenen geier. die biester sollte man echt mal aus der nähe gesehen haben. leider leider ist der camino nun vollkommen versaut. einfach eine schande! zum glück bleiben uns die mit rostigem draht zusammengetüddelten träger gut in erinnerung. habt ihr eigentlich schon von dem zweiten teil des caminos am anderen ende des tales gehört? sehr zu empfehlen bei mietwagen: die zusatzversicherung, wo man nach der tour die kiste mit kratzer und dellen wieder abgeben kann – in andalusien meiner meinung nach ein muss, da hier teure autos keine statussymbole sind!!! und unterschätzt niiiiemals das gras von einem rastamann!

    • Auch servus 🙂
      einen Mietwagen brauchen wir selber ja zum Glück nicht, aber für alle anderen ist das ein guter Hinweis, Danke!
      Alle anderen Tipps natürlich auch 😉

      Hasta luego
      Nima

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