Echte Schmankerl für deinen Kletterbesuch in Madrid
Boulder Planetario

Echte Schmankerl für deinen Kletterbesuch in Madrid

Klettern ist eine in Spanien weit verbreitete und beliebte Sportart. Kein Wunder, bei den vielen Möglichkeiten, die das Land hierzu bietet.

Stefanie von Climbingflex hat eine zeitlang in Madrid gelebt.
Sie stellt Kletterfreunden heute ein paar echte Schmankerl für einen Trip nach Madrid vor.

Die ruppigen Madrilenen…

Grau, regnerisch und laut – so habe ich Madrid erlebt, als ich dort im Februar 2008 ankam mit dem Vorhaben, sechs Monate zu bleiben.
Vor zwei Tagen war ich aus dem chilenischen Sommer zurückgekehrt und war noch sehr auf die chilenische Mentalität eingestellt: Höflich, zuvorkommend, lässig.

Dementsprechend hatte ich etwas Anlaufschwierigkeiten, als ich bei meinem ersten Besuch in Spanien auf die teilweise ruppigen, lauten und morgens oft muffigen Madrilenen traf.
Daran war ich überhaupt nicht gewöhnt, auch aus Deutschland nicht. Insgesamt war es schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte.

Madrid – ein Boulderparadies

Zum Glück änderte sich meine Meinung, als ich nach einigen Wochen begann, auf eigene Faust loszuziehen mit dem Ziel, so schnell wie möglich lokale Kletterer kennenzulernen.

Einer der größten „Schmankerl“, wie man in Bayern sagt, ist die hohe Anzahl an kostenlosen Outdoor-Bouldermöglichkeiten in Madrid.

El Planetario, Sainz de Baranda, El Muro del Puente de Segovia, Universidad Complutense hatte ich mir fürs Erste ausgesucht und bin den ersten drei treu geblieben.

  • Der Boulder bei Universidad Complutense ist sehr vielfältig und es sind hier, im Gegensatz zu den anderen Bouldern, auch dicke Matten ausgelegt. Allerdings war die Anfahrt relativ lang, so dass ich lieber die anderen Boulder aufgesucht habe.
  • El Muro del Puente de Segovia hatte ich vor allem besucht, als ich nach einer Zeit ins Zentrum von Madrid gezogen bin und der Boulder nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt war.
    Er liegt etwas versteckt und ist weniger bekannt, weil es eine Stadtmauer an der Calle de Segovia ist, die zum Bouldern genutzt wird. Für mich war sie klasse, wenn ihr jedoch nur kurze Zeit in Madrid seid, würde ich lieber andere Boulder aufsuchen.
  • Der Boulder bei Sainz de Baranda wurde von der Comunidad de Madrid erstellt und gibt auch die Möglichkeit, ein paar Routen mit Seil zu klettern.
    Die Griffe sind relativ groß, der Boulder ist meiner Meinung nach vor allem für Einsteiger gedacht. Dennoch kann man sich an einigen Stellen ein paar schöne Probleme überlegen.

Wo trifft man die einheimischen Kletterer?

Die Madrider Klettergemeinschaft habe ich dort jedoch fast nie getroffen, sondern beim Boulder von El Planetario.

An einer Brücke haben Madrider Kletterer Boulder am Dach geschraubt und an dem bodennahen Teil Traversen gebaut. Die haben es wirklich in sich, denn die Griffe an der Traverse bestehen aus natürlichen und meist sehr kleinen Steinen, die an der Wand befestigt wurden.

Wenn ihr einen Boulder sucht, um die Fingerkraft zu steigern und die Beweglichkeit durch Traversen und Überhänge zu verbessern – das ist der beste Ort dafür.

Besonders in den Abendstunden füllt sich der Platz, was ich jedoch als sehr schön empfand.
Die Kletterer habe ich als sehr offen erlebt, was auch ein Unterschied zu Deutschland ist. Mit den lokalen Kletterern kommt man gut ins Gespräch (zumindest mit ein paar Brocken Spanisch) und bekommt die Möglichkeit, so mit den „Locals“ auch die Felsen kennenzulernen.

Boulder Planetario

Boulder Planetario

Deutsche vs. spanische Mentalität

In Deutschland habe ich noch nie die Erfahrung gemacht, jemanden beim Klettern oder Bouldern kennenzulernen und dann im Anschluss gleich etwas zusammen trinken zu gehen.
In Madrid ist das ganz normal. Vor allem, wenn man zusammen an den Fels fährt, gehören die Caña (das typische Bierchen) und Tapas danach fast zum Pflichtprogramm.

Hier ein Kulturtipp: Unter Madrilenen ist es üblich, sich gegenseitig einzuladen oder die Rechnung zusammen zu begleichen.

Großzügigkeit ist hier wichtiger, als auf den Euro genau nachzurechnen.

Hmm, leckere Tapas!!!

Hmm, leckere Tapas!!!

Shopping- und Kulturtipps für Kletterer

Was in Madrid ebenfalls einen Besuch wert ist, sind die Kletterläden und die Bücherei von El Desnivel.

Im Stadtteil „El Rastro“, wo sonntags immer der Flohmarkt stattfindet, gibt es in der Straße „Calle de la Ribera de Curtidores“ eine Reihe von Kletterläden, von denen mir das Geschäft „El rincón de la montaña“ besonders gut gefallen hat.

Die Bücherei von El Desnivel bietet eine sehr große Auswahl an spanischsprachigen Büchern, Guides und Zeitschriften rund ums Klettern, Bouldern und Bergsteigen.
Dort in der Nähe gelegen befindet sich auch der Kletter- und Outdoorladen „Deportes Koala“, der mir von den lokalen Kletterern zur Schuhreparatur empfohlen wurde.
Die Empfehlung kann ich überzeugt weitergeben, die Schuhe sahen aus wie neu zu einem sehr vernünftigen Preis. Wenn wir in Madrid sind und gerade Kletterschuhe zum Reparieren dabei haben, geben wir sie immer dort ab.

Die Altstadt von Madrid

Die Altstadt von Madrid

Mein Fazit zu Madrid:

Besonders im Frühling ist die Stadt für einen Kletterer ein sehr schönes Ziel, wenn man einen Städtetrip mit etwas Bouldern und Kletterflair verbinden möchte.

Am Wochenende sind die Kletterer meistens an den Felsen in der Umgebung Madrids (La Pedriza, Patones, La Cabrera), weshalb man unter der Woche am meisten Kletterer an den kostenlosen Bouldermöglichkeiten trifft.

Wenn man offen ist und sich mit etwas Spanisch bemüht, kommt man mit den Kletterern meistens gut ins Gespräch, was die Reise sehr bereichert.

Weitere Infos zu den Bouldermöglichkeiten gibt’s auf www.escalamadrid.com/rocodromos.

Sonnenuntergang in Yelmo

Sonnenuntergang in Yelmo

Mein Tipp für Felskletterer:

Wenn ihr auch Felsen kennenlernen wollt, empfehle ich einen Tagesausflug ggf. auch mit Übernachtung bei La Pedriza, denn dort kommt man auch sehr gut mit dem Bus hin: Von der Station Plaza Castilla (U-Bahn 1, 9 oder 10) fährt der Bus 724 ca. alle 45 Minuten, aussteigen in Manzanares el Real.

Ausblick in Pedriza

Ausblick in Pedriza

Ich könnte noch viel mehr erzählen – allerdings will ich den Artikel nicht überfrachten.

Habt ihr Fragen zu den Bouldern in Madrid, zur Umgebung oder zu weiteren sehenswerten Punkten?
Ich beantworte sie hier gerne, und ich freue mich auch auf eure Kommentare zum Artikel.

Biografie

Stefanie ist Co-Gründerin von ClimbingFlex und liebt Reisen. Nach einer aufregenden Etappe in Chile, Madrid und wieder Chile ist sie im Franken heimisch geworden. Mit ClimbingFlex möchte sie Kletterern helfen, ein besseres Körpergefühl zu bekommen und beweglicher zu klettern. Zu einem perfekten Tag gehören für sie Klettern, Yoga und ein gutes Essen.

7 Kommentare

  1. Ach, beim Schreiben kamen wieder ein paar Erinnerungen hoch – danke für die Möglichkeit, Nima!
    Und ich teile voll die Überzeugung, dass Spanien ein tolles Land für den Kletter-Lifestyle ist. Deutschland natürlich auch, aber in Spanien gibt’s mehr Sonne ;-)

    • Dir ging es so beim Schreiben, mir beim Lesen deines Artikels. Obwohl ich bisher nur einmal kurz in Madrid war, machen deine Infos totale Lust auf einen erneuten Besuch!
      Ganz herzlichen Dank an dich für deinen Gastbeitrag :-)

  2. Hi Stefanie,

    Brauche ich da überall ein Crashpad, oder? Besonders das Klettern im Dach unter der Brücke Boulder de Planetario sieht ganz schön gefährlich aus ohne. Wie sieht das an der Stadtmauer aus, fällt man da ins weiche Gras?

    LG Martin

    • Hey Martin,
      ich habe deine Frage an Stefanie weitergeleitet. Wir antworten dir hier dann :-)
      Liebe Grüße
      Nima

    • Hey Martin,

      kommt drauf an. Beim Planetario an der Traverse kann man jederzeit wieder “absteigen”, da ist man nicht hoch. Am Dach kann man den ersten Teil gut ohne Crashpad hinbekommen, was die meisten auch machen, teilweise allein, teilweise gespottet. Ich habe jedoch dort bisher niemanden gesehen, der wirklich hochgegangen ist. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob da ab einer Höhe auch ein paar Haken drinwaren.

      An der Stadtmauer ist leider kein weiches Gras, dafür trockene Erde die auch abfedert :-) Da geht’s auch nicht so hoch hinaus, die Steine sind allerdings teilweise speckig, weswegen man da eher aufpassen muss.

      Hast du mal vor, nach Madrid zu gehen?
      Viele Grüße
      Stefanie

  3. Hey,
    Ich bin jetzt auch seit ein paar Wochen als au Pair in Madrid und wollte mal wegen indoor boulderanlagen anfragen?
    Wurde da vielleicht auch was tolles gefunden?

    • Hallo Marita,
      wir selber haben keine getestet, weil wir nur draußen unterwegs waren.
      Wenn du bei google nach “Rocodrom Madrid” suchst, kommt ja einiges an Auswahl. Da findest du bestimmt eine tolle Halle :-)
      Liebe Grüße und eine gute Zeit
      Nima

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