Oft unterschätzt: Die Waldbrandgefahr in Spanien
Vom Ortsnamen ist kaum noch etwas zu erkennen

Oft unterschätzt: Die Waldbrandgefahr in Spanien

„Hast du mitbekommen, dass es bei uns brennt?“

Es ist der 23.07.2012 – ein schöner, sonniger Tag
Steve und ich sitzen in einem Restaurant kurz hinter der französischen Grenze und lassen uns eine Pizza schmecken.
Mein Telefon klingelt. Julia, meine Sprachtandem-Partnerin ruft an, aber ich habe gerade keine Lust, zu telefonieren.

Drei Minuten später klingelt es wieder.
Dieses Mal ist es ein Mitbewohner der Finca, auf der ich zurzeit lebe. Er ist gerade mit seiner Freundin in Madrid und ruft mich sonst nie an.

Ich bin neugierig und hebe ab.
Er kommt direkt zur Sache und fragt mich: „Hast du mitbekommen, dass es brennt?“
„Nein, habe ich nicht. Wo brennt es?“
„Bei uns in Capmany“

Mehr Informationen hat er auch nicht. Seinen Vater, der sich auf der Finca aufhält, kann er nicht erreichen und so vereinbaren wir, dass wir uns anrufen, sobald einer mehr weiß.

Eine Rückfahrt mit Angst im Nacken

Steve und ich machen uns direkt auf den Weg, haben ca. eine Stunde Fahrt vor uns.
Meine Hunde Luna und Jule sind beide auf der Finca geblieben, ich bin beunruhigt.

Auf der Rückfahrt überlegen wir, was uns erwarten könnte.
Es ist Ende Juli, extrem trocken und heiß. An diesem Tag herrscht auch noch Tramuntana, ein von den Pyrenäen kommender Starkwind.

Ich rufe auf der Finca an, aber es hebt niemand ab. Stattdessen bekomme ich von zwei Freundinnen eine SMS, die fragen, ob es uns gut geht und ob wir Hilfe bräuchten. In mir steigt die Angst hoch und endlich erreichen wir Figueres, das 18 km entfernt von Capmany liegt.

Feuer

Auf unserem Weg nach Sant Climent

Was wir dort zu sehen bekommen, verschlägt uns die Sprache. Die Straßen in Richtung Capmany sind alle gesperrt, es gibt kein Durchkommen mehr. Es ist mitten am Tag, aber der Himmel über uns ist dunkel und schwarz, wie ich es noch nie gesehen habe. Überall Rauch, Feuer, Sirenen, Hubschrauber – ich bin geschockt!

Was tun?
Nach Capmany zu fahren, ist nicht möglich, der Ort wurde evakuiert. Also suchen wir uns über Schleichwege eine Möglichkeit, um in den Nachbarort Sant Climent Sescebes zu gelangen. Dort treffen wir auf Freunde, die auf der Finca ihren Wohnwagen stehen haben. Sie sind in allerletzter Sekunde vor dem Feuer geflüchtet, sind vollkommen geschockt. Was mit meinen Hunden und dem Fincabesitzer ist, wissen sie nicht. Er habe sich wohl mit allen Tieren (10 Hunde und 7 Katzen) und seiner Freundin in sein Haus verschanzt. Innerhalb kürzester Zeit sei ein riesiges Feuer über die Finca hinweg gezogen und niemand weiß, welchen Schaden es angerichtet hat.

Vom Ortsnamen ist kaum noch etwas zu erkennen

Vom Ortsnamen ist nach dem Brand kaum noch etwas zu erkennen

Wir setzen uns in das Gemeindecafé und verfolgen die Informationen im Fernsehen. Ich fühle mich wie in einem Film, kann nicht glauben, dass sich das gerade wenige Kilometer von uns entfernt abspielt. Manche Leute im Café rauchen Kette, andere unterhalten sich leise, wieder andere starren wir paralysiert auf den Bildschirm.

Es ist Abend geworden und ich erhalte über drei Ecken die Information, Werner und den Tieren ginge es gut. Sie können das Haus wegen des Rauchs nicht verlassen, seien aber alle gesund.

Notunterkunft am Meer
Wir entschließen uns, ans Meer zu fahren und dort die Nacht im Auto zu verbringen. Wo sollen wir auch sonst hin?
Ans Schlafen kann natürlich keiner denken, zu sehr gehen uns die Bilder und Eindrücke durch den Kopf.

Am nächsten Morgen finden wir unbefestigte Schleichwege, vorbei an einem Militärgelände, und erreichen so Capmany.
Zu beschreiben, welches Bild sich uns dort bietet, fällt mir schwer. Es sieht aus, wie nach einem Krieg. Überall lodern kleine Feuer oder steigt Rauch auf. Der Weg zur Finca – zwei Kilometer unbefestigte Straße vorbei an Weinfeldern und kleinem Wald – ist ein Weg des Grauens. Links und rechts stehen keine Bäume mehr, sondern nur noch verkohlte Stämme. Die ganze Landschaft ist unwirklich, als hätte man ihr die Farbe entzogen: Einfach nur noch schwarz und weiß!

Reste eines Wohnwagens

Reste eines Wohnwagens

Wir kommen auf der Finca an und die Eindrücke prasseln weiter auf uns ein. Dort, wo gestern noch ein Wohnwagen stand, ist nichts mehr zu sehen. Autos sind komplett abgebrannt, Wasserleitungen durchgeschmort. In meiner Unterkunft, einem Holzhäuschchen, ist alles voller Ruß. Überall riecht es nach Rauch.

Luna und Jule freuen sich, uns zu sehen, wirken aber durcheinander.
Auch an ihnen ist der Brand nicht spurlos vorbeigegangen. Jule wirkt in der schwarz-weißen Landschaft wie ein bunter Farbklecks.

Jule steht verloren herum

Jule steht verloren herum

Jetzt heißt es, Bestandsaufnahme machen. Wieder und wieder gehen wir durch, was seit gestern passiert ist. Wir versuchen, das Geschehene durch Reden zu verarbeiten, aber es bleibt ein schlechter Film. Die Hubschrauber kreisen über uns, wir sehen Rauchwände in direkter Nähe. Das Feuer ist noch immer außer Kontrolle und das wird noch einige Tage so bleiben.

Ausblick aus meiner Unterkunft am Tag danach

Ausblick aus meiner Unterkunft am Tag danach

Normalität im Ausnahmezustand
Es hilft nichts, wir müssen irgendwie Normalität einkehren lassen:
Wasser kaufen, Leitungen reparieren, den brennenden Komposthaufen löschen, die Häuser putzen, …

Nach und nach erfahren wir, welche Auswirkungen der Brand hatte.

  • Nachbarn haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren und stehen nun vor dem Nichts.
  • Ein Hausbesitzer hat versucht, sein Haus vor den Flammen zu schützen und wurde dabei schwerst verletzt.
  • Insgesamt sind vier Menschen ums Leben gekommen, 24 wurden verletzt.
  • 13.000 Hektar Fläche sind verbrannt.

Der schlimmste Waldbrand seit 26 Jahren

Ich brauche Wochen, um das Ganze zu verarbeiten. Die Auswirkungen bleiben spürbar, aber auch eine enorme Welle Hilfsbereitschaft rollt durch die Region. Ganz langsam finden die Menschen wieder zu ihrem Alltag zurück.

Noch heute, zwei Jahre später, kannst du die Brandspuren sehen.

Und genau deshalb bitte ich dich: Nimm die Waldbrandgefahr in Spanien ernst!

Halte dich am besten daran:

  • Mache kein offenes Feuer
  • Wirf keine Zigarettenkippen achtlos weg
  • Parke dein warmes Auto nicht über leicht entzündlichem Untergrund

Auch dieser Brand wurde vermutlich durch Unachtsamkeit verursacht, das Ergebnis war ein Jahrhundert-Waldbrand.

Welche weiteren Tipps oder eigenen Erfahrungen hast du?
Teile sie mir gerne in den Kommentaren mit.

 

2 Kommentare

  1. Puh, üble Bilder! Einen Brand habe ich zum Glück nie erlebt, nur mal bei Feuerlösch-Übungen teilgenommen, wobei die für einen Waldbrand sicher nicht helfen. Schnelles Reagieren, solange das Feuer noch klein ist und dem Feuer den Sauerstoff entziehen!

    • Das schnelle Reagieren ist mehr als wichtig!
      Bei den Bildern habe ich heftigsten gar nicht erst eingestellt, da wird es mir bis heute anders …

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