Bouldern – was ist das?
Ein Boulder in Albarracín - einem spanischen Boulder-Mekka

Bouldern – was ist das?

“Bouldern ist wie Klettern – nur anders”

Wenn ich jemandem erzähle, dass ich bouldere, sehe ich meistens Fragezeichen in den Gesichtern. Klettern ist bekannt, Bouldern ist dagegen eher eine “Insider-Sportart”.

Also, was genau ist Bouldern?
Das Wort stammt vom englischen Begriff “boulder”, bedeutet Felsblock und bezeichnet das Klettern ohne Seil. Dabei klettert man an Felsblöcken, von denen man noch abspringen kann. Ich mit meiner Höhenangst komme schon bei 3m an mein Limit, andere bouldern bis zu 5m oder sogar noch höher.

Klettern und Bouldern unterscheiden sich vor Allem darin, dass ein Boulder im Vergleich zu einer Kletterroute kompakter ist. Du benötigst hierfür mehr Kraft, beim Klettern mehr Ausdauer. Und es kommt beim Bouldern auf die richtige Technik an!
Es gibt zum Beispiel Felsblöcke, bei denen du im Sitzen startest. Die Hände und Füße sind dabei an den Griffen bzw. Tritten, bevor dein Hintern den Boden verlässt. Und damit er diesen verlässt, brauchst du Technik und Kraft! Bei meinem ersten Sitzstart waren alle meine Regler auf 100% und ich habe mich trotzdem keinen Millimeter bewegt. Nach fünf Versuchen war ich im fix und fertig…

Unter Griffen und Tritten darfst du dir übrigens keine Türgriffe oder Treppenstufen vorstellen. Oft sind es nur winzige Unebenheiten am Fels, die man nur beim genauem Hinsehen erkennt. Die häufigste Frage von Anfängern ist daher: “DAS soll ein Tritt sein????”

Wie sieht so ein Boulder aus?
Hier sieht du einen Boulder in Spaniens wohl berühmtestem Bouldergebiet Albarracín. Der Fels ist aus Sandstein und es gibt genügend Auswahl an hohen und niedrigen Blöcken, schweren und leichten Bouldern. Die weißen Spuren sind vom Magnesium und zeigen dir, wo andere vor dir hin gefasst haben – wahrscheinlich sind das also gute Griffe.

Ein Boulder in Albarracín - einem spanischen Boulder-Mekka

Ein Boulder in Albarracín – einem spanischen Boulder-Mekka

Wie beim Klettern gibt es beim Bouldern verschiedene Schwierigkeitsgrade, wobei es hier auch auf das eigene Empfinden ankommt. Man spricht beim Bouldern übrigens von Problemen, an denen man herum knobelt. Normalerweise schafft man es nicht im ersten Versuch, einen Bouldern zu klettern, sondern probiert es immer wieder aus. Schafft man es doch im ersten Anlauf, dann hat man den Boulder “geflashed”.
Einen guten Überblick über die Schwierigkeitsgrade bekommst du bei Wikipedia.

Ein Hauch von Nichts - Boulder in Zarzalejo

Ein Hauch von Nichts – Granit-Boulder im spanischen Zarzalejo

Wie hoch ist das Verletzungsrisiko?
Auch wenn Boulderer ohne Seil klettern, sind sie meistens nicht lebensmüde.
Ein gewisses Verletzungsrisiko ist aber immer gegeben, da man beim Abspringen oder bei einem Sturz unsanft landen oder umknicken kann. Deshalb legt man Crashpads/Bouldermatten hin, also Sturzpolster. Diese schleppt man auf dem Rücken bis zum Fels und sieht dabei meistens ziemlich bescheuert aus…

Wir sehen aus wie Riesenkäfer...

Wir sehen aus wie Riesenkäfer…

Da man bei einem Sturz die Fallrichtung nur bedingt beeinflussen kann, stehen am Crashpad sogenannte Spotter, also deine Boulder-Freunde. Ihre Aufgabe ist es, dich mit den Händen bei einem Sturz auf das Crashpad zu befördern und dafür zu sorgen, dass du nicht unkontrolliert auf dem Boden aufschlägst. Richtig zu spotten, erfordert volle Konzentration und ggf. Körpereinsatz!

Ein weiterer Verletzungspunkt sind Schürfwunden. Besonders an Granit lässt man Haut! An den Fingern reibt sich die Haut extrem ab und reißt im schlechtesten Fall ein. Und auch Bänderrisse in den Fingern können passieren. Davor schützen sich Boulderer so gut es geht mit Tape, das sie sich als Stütze um die Gelenke wickeln. Bouldern macht zwar stark, aber auch kaputt.

Welche Ausrüstung brauche ich zum Bouldern?
Im Grunde nicht viel mehr als deine Kletterschuhe, ein Crashpad und Magnesium. Da man aber meistens mit anderen zum Bouldern geht, hilft man sich mit vielen Dingen untereinander aus. Bei einer Gruppe von 10 Personen nimmt zum Beispiel nicht jeder ein Crashpad mit. Damit du an alles denkst, habe ich eine Packliste erstellt.
Bouldermatten sind übrigens absolute Allzweckwaffen. Sie eignen sich als Hundehütte, als Matratze zum Schlafen, als Sitzgelegenheit,…achja, und zum Bouldern.

Zwei Hunde - zwei Crashpads - eine Hütte!

Zwei Hunde – zwei Crashpads – eine Hütte!

Was ist das Besondere am Bouldern?
Im Unterschied zum Klettern ist Bouldern viel mehr ein Gemeinschaftssport. Als Kletterer bist du mit einer kniffligen Stelle manchmal auf 15m Höhe alleine, da kann dir dein Sicherungspartner nicht viel helfen. Beim Bouldern ist das aufgrund der geringeren Höhe viel besser möglich. Genau das ist das Schöne am Bouldern, gemeinsam an den Problemen zu tüfteln, sich gegenseitig anzufeuern und Erfolge zu feiern. Man gibt sich Tipps und hilft sich untereinander weiter. Zwischendurch legt man dann gemütliche Pausen ein, bei denen man es sich auf den Crashpads gemütlich macht, `nen Kaffee trinkt und es genießt,  in der Natur zu sein.

Wo kann man in Spanien gut bouldern?
Das berühmteste Bouldergebiet weltweit liegt leider nicht in Spanien, sondern in Frankreich, nämlich in Fontainbleau. Als kleines Fontainbleau wird dagegen Albarracín bezeichnet und das…liegt in Spanien!
Einen Geheimtipp findest du in der Nähe von Barcelona bzw. Girona. Der Ort heißt Santa Coloma de Farners und dort kannst du sowohl klettern als auch bouldern. Hier geht`s zum Bericht.
Und auch diese beiden spanischen Top-Gebiete solltest du erkunden: Zarzalejo und El Escorial.

Traumhafter Ausblick in Albarracín

Traumhafter Ausblick in Albarracín

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